Freitag, 10. August 2018

24.Tag: Wieder zurück!!


Wie versprochen, melde ich mich noch einmal, um Euch von meiner abenteuerlichen Rückreise zu berichten!





Die 2.Nacht im City Hotel Münster war bei weitem nicht so nervig, wie die erste. Lag es daran, dass es nicht mehr so heiß war, oder dass Mittwoch Nacht keine Güterzüge zusammengestellt werden?  Auf jeden Fall war die unheimliche Lacherin von der Vornacht offensichtlich noch so geplättet, dass sie sich nicht bemerkbar machte.

Meine Rückreise habe optimal eingespurt, so dachte ich wenigsten. Nicht zu früh und nicht zu spät. Nur einmal Umsteigen!! Besser geht es doch nicht. Gut planen ist eine Sache. Die Wirklichkeit dagegen ist manchmal grausam!

Das merke ich schon in dem Moment, als ich am Bahnhof auf die große Anzeige schaue. "Gleis 9 der IC 2313 nach Stuttgart hat voraussichtlich 50 Minuten Verspätung" - puh!! Also gut, drehe ich noch eine kleine Runde in Münster. Doch so richtig kommt keine Freude auf. Ich kaufe mir einen dicken Krimi - für den Fall der Fälle - und warte.
Aus den 50 Minuten wird eine Stunde, wird eine Stunde 10, eine Stunde 20. Meine mitreisenden Leidensgenoss*nnen nehmen es äußerst gelassen. OOOMMMMMM!

Mit eineinhalb Stunden Verspätung rollt der Zug aus Bremen ein. Da braut sich was zusammen! Nicht nur, was das Wetter betrifft.
Doch was soll`s! Wenn ich nicht wie geplant um 16:22 in Stuttgart eintreffe, sondern 2 Stunden später, gibt es immer noch genügend Züge nach Engen.
Kurz hinter Köln genügt ein Blick aus dem Fenster! Hier braut sich noch mehr zusammen. Ein heftiges Unwetter schlägt zu. 
Wir kommen noch bis Koblenz. Dort teilt uns der Zugbegleiter mit, dass "im Augenblick, infolge des Gewitters beide Rheinstrecken unpassierbar seien. Mir wurde soeben mitgeteilt, dass mit einem Aufenthalt von etwa 50 Minuten zu rechnen ist."
OK! Drei Stunden Verspätung, das reicht immer noch auf Züge nach Engen. Die Zugbegleiter verteilen schon mal das "Fahrgastrechte-Formular". Wie es den Anschein hat, bekommen wir 50 % des Fahrpreises zurück. UND, WIR KÖNNEN UNS, im Waggon 10 kostenlos einen Tetrapak Wasser holen - wenn wir wollen! Ist das nicht nett?

Zum Glück ist die Strecke nach Mainz, rechtsrheinisch schon wieder nach 20 Minuten passierbar, und wir haben offensichtlich Präferenz.
Doch zu früh gefreut. In Mainz herrscht Chaos. Auf allen Bahnsteigen stehen Züge. Nach 10 Minuten meldet sich unser Reisebegleiter und teilt uns mit, dass dieser Zug nicht weiter fährt. Punkt. Mehr erfahren wir nicht. Dann meldet er sich noch einmal. "Auf diesem Bahnsteig gegenüber fährt in Kürze der IC..... ein." Fahrgäste nach Stuttgart möchten bitte in diesen einsteigen. Das ist jetzt eine Lachnummer! Auf diesen Zug warten schon stücker 10 Radreisende. Mit denen aus unserem Zug sind es jetzt gut und gerne 20. Und die ersten 10 haben natürlich eine Reservierung!!

Der Zug rollt ein. Die 10 steigen ein! Dann noch einmal 5. 'Dann ist Schluss. Ich erwische den Zugbegleiter von diesem IC, er telefoniert rum. Im hintersten Waggon hat es noch ein Radabteil, da sind 4 Leute ausgestiegen. Also Gummi! Es ist ein seeehr langer IC, aber ich komme mit! 

BIS MANNHEIM.

Dann stehen wir wieder 10 Minuten. Unruhe breitet sich aus. Dann wieder die Stimme aus dem Lautsprecher. Dieser Zug fährt nicht mehr weiter. Also raus. Auf dem Bahnsteig gegenüber wird wieder ein IC nach Stuttgart angekündigt. Mit 50 minütiger Verspätung.
Ich rechne und rechne! Das könnte jetzt langsam knapp werden. Vor allem, weil nicht sicher ist ob dieser Zug wirklich bis Stuttgart durchfährt.

Inzwischen sind es natürlich noch mehr Radfahrer! Ob die in einen IC mitkommen, in dem sicher schon andere Radfahrer sitzen?

Das wird mir jetzt zu heikel. Ich Frage einen Zugbegleiter, der Feierabend hat. Er meint, ich solle doch die S6 nach Karlsruhe nehmen und sehen, ob ich noch auf die Schwarzwaldbahn komme.
Das wäre mit Fahrrad allemal sicherer!

Also gut, von Bahnsteig 6 zum Bahnsteig 11. Aufzüge gibt es keine. Also Fahrrad die Treppe runter tragen, und am Bahnsteig 11 wieder hochasten!! Die S Bahn nach Karlsruhe steht schon da. Ein "Radkollege" fragt mich, ob man mit dem Fahrrad in Waghäusel im Schienenersatzverkehr mitgenommen wird? Häh?
Ich sage, hier steht auf der Anzeige HBF Karlsruhe, von Schienenersatzverkehr keine Rede. Meinem Mitradler ist das zu unsicher. "Ich nehme lieber den Zug nach Heidelberg". Heidelberg nutzt mir nichts. Außerdem sind noch andere Räder im Zug. Ich frage mich durch. "Nö, ich fahre nur bis Schwetzingen." "Keine Ahnung, ich fahre nur bis Hockenheim...."
No risk no fun.

Die S-Bahn fährt los! Bei Hockenheim steigt ein netter Herr mit Klapprad zu. "Schienenersatzverkehr?" Das ist doch bei Rastatt gewesen!" - Stimmt! Diese Slapsticknummer mit dem "vereisten Tunnel"- aber das ist doch inzwischen behoben, meine ich gelesen zu haben.

Wir kommen ins Gespräch. Er fährt auch bis Karlsruhe und schaut auf dem Smartphone nach, ob ich noch Anschluss nach Konstanz habe. "Wir kommen um 19:38 an und um 20:19 fährt die letzte Schwarzwaldbahn nach Konstanz. Ankunft 23:42 in Konstanz."  Er kriegt sich nicht mehr ein.
Fast vier Stunden von Karlsruhe nach Konstanz? Das ist doch wohl der Witz! Der hält an jedem Misthaufen!"  So  es noch welche gibt!
Das ist mir so was von wurscht! Hauptsache die Schwarzwaldbahn fährt und ich komme heute noch heim. 
Auf den Bahnhöfen, die wir passieren, steht inzwischen auf den Anzeigen. Die "DB hat ihren Betrieb eingestellt" - Na toll!
Aber wir fahren doch? Und sind auch Bundesbahn!
Ich stelle mich schon mal darauf ein, in Karlsruhe zu übernachten.
Wir kommen pünktlich in Karlsruhe an. Noch einmal von Gleis 1 nach Gleis 9 - dieses Mal funktionieren die Aufzüge.
Und auf Gleis 9 ist die Schwarzwaldbahn schon angezeigt. Und sie kommt pünktlich!
Puh! 
Die Erleichterung ist groß als sie auch noch mit 5 Minuten Verspätung losfährt. 5 Minuten, was ist das schon!!

Um kurz nach 23:00 Uhr bin ich in Engen!


Das war´s!!

Meine 6. Reise war "kurz", 3 Wochen 1.300 km -  aber sehr schön. Die Rheinländer sind ausgesprochen nett (auch schon im badischen Teil), die vom Niederrhein, cool,  der Holländer sowieso - und  der Westfale hat mich am meisten überrascht, richtig witzig.



Das müssen wir irgendwann zusammen wiederholen, Friederike!! Aber dann bis Straßburg auf der französischen Seite! Die hat mir bei meiner Frankreich Tour sehr gut gefallen.

Aber erst einmal, geht es nach Kanada zur Hochzeit - und hopefully, -sí dios quiere  oder Inshallah  wie der Araber sagt - im nächsten Jahr holen wir die "Italientour" nach, gell!!

Mittwoch, 8. August 2018

22.Tag: 2.Tag in Münster



Heute Morgen, bzw. heute in der Nacht habe ich über meine Entscheidung, noch einen Tag in Münster heftig geflucht!
NOCH SO EINE NACHT? 
Hoffentlich nicht.
Wenn man nicht in die obere Preisklasse will, dann muss man Einbussen in Kauf nehmen, wenn man innenstadtnah wohnen will. 
"In Bahnofsnähe", das weiß ich schon, ist Innenstadt, aber manchmal laut. ABER SO LAUT. Mein Zimmer geht hinaus auf die Gleise des Güterbahnhofs. Da wercen in der Nacht die neuen Züge zusammengestellt. Paaduscchhh!! Macht es,  ziemlich laut, wenn Druckluftschläuche der Bremsen getrennt werden! Padamm!! wenn einer neuer Waggon gegen den stehenden Zug rollt. Dann tutet die Rangierlok, dann donnert ein Güterzug durch! Irgendwas ist immer los. 
Doch das ist noch nicht das Schlimmste. Neben dem City Hotel ist eine Shishabar. Denen war es heute Nacht auch zu heiß. Sie haben sich hinters Haus, unter mein Fenster, ins Freie verzogen- und nicht nur parfümierten Tabak geraucht. Das Ganja muss gut gewesen sein. Besonders eine junge Dame hat sich köstlich amüsiert. Was immer jemand gesagt hat, sie bricht in eine Lachkaskade aus, die bei mir in meinem Bett, leider nicht ansteckend ist. Sie lacht und lacht. Eigentlich kein unsympathisches Lachen, - aber fürchterlich laut.

Irgendwann gibt nur die Alternative. Fenster zu und schwitzen, oder eben nicht schlafen!!

Aber irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen.

Heute Morgen ist es bewölkt. Es hat abgekühlt, sogar ein wenig geregnet.

Gut. Auf geht´s Münster hat einiges zu bieten.

2018 steht in Münster natürlich unter dem Zeichen des "Westfälischen Friedens" - 400 Jahre Beginn des 30jährigen Krieges und 370 Jahre der Frieden von Münster und Osnabrück.

5 Ausstellungen zum Thema Frieden.: "Frieden - unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 - Sharing Heritage".

Das ist ganz großer Aufwand. Was ich gestern so an verschiedenen Plätzen schon als Kunst im Öffentlichen Raum zum Thema gesehen habe, hat mich nicht so unbedingt überzeugt.


Ein Kunstobjekt in eine Ecke zu klemmen, tut der modernen und der Kunst am Bau keinen Gefallen, mich hat ehrlich gesagt mehr interessiert, was hinter dem Lichtobjekt war.


 Und die beiden Augen auf den Türmen des Doms, erscheinen mir, mit Verlaub, läppisch!

Aber Münster hat so viel mehr zu bieten, als "Westfälischer Frieden" und "Täuferreich von Münster". Aber das natürlich auch.
Deshalb mache ich heute Morgen zuerst eine kleine Runde durch die Stadt. Um wieviel entspannter geht es in der Fahrradstadt Münster als in Amsterdam zu!
Bis mir an dem Schloss/der Uni kommt


 hier ist "Tote Hose" - klar Semesterferien! Das erklärt wohl, warum es sich heute  so entspannt radeln lässt. 

Dann weiter in die Altstadt und gleich etwas ganz besonderes.
In der Überwasserkirche (die so heißt, weil sie vom Dom aus gesehen über der Aa liegt. Aa muss man sich fürs Kreuzworträtsel merken)


Hier wird die Orgel gestimmt. Und zwar die gaaanz tiefen Töne. Da schwingt das Bauchfell gewaltig mit. Der junge Mann lässt sich Ton geben. Nimmt den Hammer und klopft am Pfeifenansatz. Dann wieder Ton. Das ist spannend. Ich setzte mich still hin und schaue zu. Nachdem er die ersten 3 der ganz großen Pfeifen gestimmt hat. Klettert er herunter von der Leiter, herunter von der Arbeitsbühne, verschiebt die Arbeitsbühne ein wenig. Klettert hinauf auf die Arbeitsbühne, hinauf auf die Leiter - und weiter geht es. Gitarre lässt sich leichter stimmen!
Aber mit der Zeit brummt mir ob der tiefen Töne leicht der Kopf. 
Beim Rausgehen sehe ich den Taufstein


Liegt das an den tiefen Tönen? Die beiden turteln doch für eine Kirche etwas zu heftig, oder? Das ist ja kurz vor Zungenkuss!!  Und das in einer Kirche- auf dem Taufstein! Oder ist das ein katholische Variante des Aufklärungsunterrichts?

 Aber jetzt zum Großereignis "Frieden". 5 Ausstellungen, dazu noch die ständigen Sammlungen - das werde selbst ich nicht schaffen.
Zumal das LWL für Kunst und Kultur (falls sich jemand fragt: LWL heißt "Landschaftsverbund Westfalen/Lippe) - d a s Westfälische Kunstmuseum ist (Eigenauskunft)
Was stimmt. Es besitzt eine ganz hervorragende Sammlung.
Keine Angst heute versuche ich - anders als in Amsterdam - eine "Kurzfassung" dieses unglaublich anregenden Tages zu geben.

Für mich eine Entdeckung war Hermann tom Ring und sein Vater Ludger tom Ring. Die beiden haben vom Bildersturm der "Täufer" ganz offensichtlich profitiert. Nach der Niederschlagung der Täuferbewegung, hatte Münster ein erhebliches Bilderdefizit, was der Werkstatt der tom Rings  die Auftragsbücher gefüllt hat.
Sie sind aber auch wirklich gut.


Das ist ein ganz  spannendes Bild. Es war lange Zeit verschwunden. D.h. man hat das Bild der Familie des Grafen Rietberg irgendwann in 3 Teile zersägt. Die Töchter ein Bild, Frau Riedberg ein Bild und der Graf ein Bild. Nach und nach konnte man die Bilder in England zurückkaufen.

Das Bild ist von der Witwe Rietberg in Auftrag gegeben worden, nachdem ihr Mann im Kerker gestorben war. Er hatte einen Verwalter in einem Wutanfall umgebracht - ein richtiger Krimi also - war verurteilt worden, die Besitztümer eingezogen und die Witwe musste nach Aurich fliehen. 
Die Experten sind sich nicht einig, was die Witwe damit bezweckte. Eine Art Ehrenrettung für den Namen ?


Aber auch die Propheten- und Sybillenbilder der von tom Ring sind unglaublich stark!

Ok. Aber jetzt zu den Friedensausstellungen.
Da hat man ganz streng darauf geachtet, dass nicht fotografiert wird. Das Konzept der Ausstellung im LWL ist wirklich spannend.

Paradiesdarstellungen - als Friedenssehnsucht.
Orpheus - Kunst als Friedensutopie.
Venus rüstet Mars ab.
Soweit nichts Unerwartetes. Dann aber die Bilder in denen Frieden und Gerechtigkeit, Frieden und Wohlstand miteinander in Verbindung gebracht werden.
Dazu zeigt die Ausstellung tolle Bilder aber sie lassen die zentrale Fragestellung aus.
Gerechtigkeit hat ein Schwert, in einem Bild sogar das Rutenbündel mit dem Beil. Da hört man doch die "kalten Krieger" - wehrhafter Frieden, kein Frieden ohne Stärke. Diese Widersprüchlichkeiten, die in den Bildern sind und seit Jahrhunderten unsere Friedensvorstellungen spalten, lassen die Kommentare aus. Ist ihnen das zu heikel?
Ganz spannend auch die "Rituale" der Friedensverhandlungen, die "Vermittler", wie ähnlich sich der Wiener Kongress, Münster und Camp David sind!

Diese Ausstellung hat mich wirklich gepackt.

Auch das Picassomuseum mit seiner Ausstellung zur "Friedenstaube", seinen Variationen und seiner politischen Geschichte- und der Ausstellung, um das Guernicabild (das natürlich nicht zu sehen ist, aber eine sehr gute Installation von Tatjana Doll) und dazu die Fotos zu den verschiedenen Variationen in der Entstehung von Dora Maar.
Aber auch Picassos Taube und die Rezeption in der UdSSR und der DDR.


Beziehungsweise, die nachträgliche Anfrage an den Genossen Picasso, wenn sie die Friedenstaube  eingesetzt haben. 
Ach, es gäbe von heute noch so viel zu berichten. Etwa von der wunderschönen Ausstellung zum Zirkus im Picassomuseum mit Bildern von Picasso, Chagall,  Georges Rouault, Matisse und Leger.

Oder der exzellent konzipierten Ausstellung im Stadtmuseum.

Ein toller Abschluss, einer sehr schönen Reise!

Drei Bilder zum Abschluss - als erste Zusammenfassung:


Im Beipromm: "Mein Beitrag für den Frieden"
 Na, wer sagt`s denn! - "A banana a day keeps all warriors away!!"
Mögen noch viele Friedensfahrten von Manne ihren Beitrag zum den Weltfrieden leisten.


"Ich weiß nicht ob deine Oma Fahrrad fährt"


Aber Manne fährt auf jeden Fall weiter - vorausgesetzt er bekommt dieses Fahrrad noch einmal zusammengeschraubt.

Übrigens, auch wenn manche Münsteraner Damen eine unglaublich nervige Lache haben (bitte, bitte lache heute Nacht anderswo), habe ich mich in Münster sehr wohl gefühlt. Easy going, man kommt gleich ins Gespräch, zwinkert sich zu, sehr entspannt.

Ach ja, noch eine Kleinigkeit. Mittagspause im Stadtcafé. Hier treffen sich die Damen der Stadt. Am Nebentisch 3 Freundinnnen. Sie unterhalten sich ungelogen, eine Stunde n u r  über ihren Kleiderschrank. Ende 60, alle drei dauerblond, mit Sonnenbrille. Die nette, dunkelhäutige Bedienung bringt die neue Bestellung: "Hier bitte schön, ihr Espresso. Einmal Wasser! Und für sie der Kaffee und wie gewünscht der Süßstoff!" "Sie, sprechen aber gut Deutsch! Wie lange sind Sie den schon hier?" "Ich bin hier geboren, aber trotzdem Dankeschön!" - Ein Klassiker,- aber immer wieder gruselig gut.

Ich melde mich Morgen noch einmal aus Engen!!

Dienstag, 7. August 2018

21. Tag: Von Gescher nach Münster




Letzte Etappe der Reise!!
Drei Wochen. Kann ich fast nicht glauben.



Gestern Abend klebten  Stücker 50 Wellensittiche, die zum Hotel gehören, an der rechten Wand, im letzten bisschen Schatten in der Voliere. Heute Morgen scheint es ihnen wieder besser zu gehen. Mal sehen was der Tag so bringt.

Beim Rausfahren aus Gescher komme ich noch an der Hauptattraktion der Gemeinde vorbei - der Glockengießerei.



Sieht unspektakulär aus. Hier werden aber zur Zeit die meisten neuen Kirchenglocken gegossen. 
Falls überhaupt noch neue benötigt werden.

Es ist gerade mal Viertel nach 8 und ich möchte schon nicht mehr gerne anhalten, um Fotos zu machen. 
Der running gag dieser Reise, "der heißeste Tage..."  jeder neue Tag wird  heißer!

Um die 60 km soll die letzte Etappe dieser Reise sein. Aber sie hat es in sich. Es geht, wie gestern, immer nur gerade aus - und immer nur bergauf. So ein Profil hatte ich überhaupt noch nie. Nie ist es wirklich steil, aber immer merkt man, dass es ein klein wen bergauf geht. Kein wirklicher Höhenrücken, keine Bergstrecke, einfach nur "etwas" bergauf. Anscheinend  bin ich aus den "Nieder"-Landen noch nicht vollständig raus. Wie, wenn man  über 60 km aus einem "Nichtschwimmerbecken" herausfährt. 
Ein heißer Föhn bläst zudem von Osten. In Coesfeld will ich Pause machen. Der Wochenmarkt, entspricht dem von Engen. In der Kirche ist eine Mesee. 15 Frauen, 2 Männer. Halten sich nicht mehr an die Regel: Männer rechts, Frauen links!

Coesfeld ist zu über 90 % im Innenstadtbereich im 2.Weltkrieg zerstört worden. Historisierender Neuaufbau gefällt mir meist nicht. Aber "Zitat-Neuaufbau" ist fast noch schlimmer.


 Die Skulpturen Gruppe stammt von Jürgen Goertz, - Goertz? Richtig, der Martinsbrunnen auf dem Marktplatz in Engen. 
Während ich die Engener Arbeit sehr schätze, kommt mir die Figurengruppe "Konferenz der Elemente" ehrlich gesagt etwas "willkürlich" vor. Vor allem das Luft-Element ist für mich unausgewogen. Der Frosch und der Fisch werden irgendwo im Hinterhof rumgestanden haben, und Coesfeld wollte einen Goertz. Ne, lieber Jürgen, da hast du schon besseres abgeliefert. Vor allem als "Konferenz" funktioniert die Gruppe überhaupt nicht. Auch nicht nach der 10. Umrundung.
Aber vielleicht bin ich heute Morgen hitze-bedingt nicht besonders  fit.
Nach Coesfeld geht es weiter "hoch" .
Wirklich interessantes? Fehlanzeige. Vielleicht noch die Ortsnamen, die klingen wie von einem anderen Planeten: Darup, Nottulm, Rorup..
Und es wird heißer - und ich werde langsamer. 

Eigentlich wollte ich heute den Blog damit beenden, dass 3 Wochen viel zu kurz sind, für eine Sommerreise. Aber im Laufe des Tages bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Ich komme am frühen Nachmittag relativ platt in Münster an. 
Auch wenn ich Morgen noch einen Besichtigungstag eingelegt habe, will ich dennoch eine erste Runde machen.


Mümster hat viel zu bieten. Im Rathaus, der Westfälische Frieden, 1648. Interessant war ja, dass der Friedensvertrag in Münster zustande kam, lag daran, dass in Osnabrück, die Protestanten verhandelten  und in Münster die Katholiken.



Hier wurde der 30 jährige Krieg beendet. 


In den Holzschnitzereien geht es ganz schön zur Sache. Da beharken sich zwei kopflose Ritter um den Kopf, den sie beide in den Händen halten. Keine Ahnung worauf das eine Anspielung ist.
Aber friedlich geht es in der Dekoration des "Friedenssaales" mitnichten zu.

Es gäbe diesen Raum nicht, hätte man ihn vor den Bombardierungen nicht ausgelagert. Denn auch Münster ist zu 90 % zerstört worden. Und auch das sieht man der Stadt in ihrer Künstlichkeit an. Bis auf die schönen Fassaden, ist es halt eine Einkaufsinnenstadt wie viele!



Trotzdem ist Münster ein historischer Hotspot wie wenige.



An der Lamberti Kirche noch immer die Käfige der Wiedertäufer. Und es sind immer noch die Originale, auch wenn sie in ihrer wechselvollen Geschichte nicht immer da oben hingen. - 
Ich bin beim Anblick der Käfige zwiespältig. Es sind Zeugnisse von Leid und Grausamkeit, und verkommen da oben um "Nervenkitzel" für Touristen - aber sie gehören dennoch dahin!

Ich denke, ich werde Morgen noch einiges über die Wiedertäufer erfahren.

Auch

Der Dom gibt sich in vielen Details ganz schön martialisch - und gar nicht christlich.


Tja, ziemperlich war die katholische Kirche nie!

Eher zufällig stoße ich dann doch noch auf einen richtigen Knaller.


Davon hatte ich schon gelesen. Gerhard Richter hat in der ehemaligen Dominikaner Kirche eine wunderbare Installation realisiert. "Zwei graue Doppelspiegel für ein Pendel". An einem 28 m lanen Stahlseil schwingt ein "Foucaultsches" Pendel. Auf der runden Platte sind 360° eingekerbt. Wenn man dem Pendel lange genug zuschaut, sieht man, wie sich die Erde unter dem Pendel weiterbewegt.
"Genial"!



Eigentlich wollte ich, wie es sich nach einer Reise gehört, am vorletzen Tag mit dem resümieren anfangen.
Aber gerade ist es noch so fürchterlich stickig, dass meine Gedanken nicht wirklich sprudeln.

Ein erstes Ergebnis aber vorab:

Es hat sich eingebürgert sprachlich fürchterlich witzig zu sein. Es gibt endlos Varianten auf "Bar" - "Bar-jeglicher Vernunft" etc..
Auf der nach unten offenen Skala für schlechten Geschmack sind diese beiden Witzbold-Bars auf den bislang letzten Patz gelandet:


Hier gibt es Sandwiches! Ha ha!
 und in Amsterdam gibt es eine:


Habt Ihr verstanden? Escobar! Esco-Bar! 

Einen Kriminellen und Massenmörder so zu verharmlosen, das darf der dümmste Wortwitz nicht!!
 Morgen gehe ich nur in Museen!
Wir sehen uns!

Montag, 6. August 2018

20. Tag: Von Zevenaar bis Gescher





Das war heute die "Königsetappe". 88 km und eine Bergankunft.
 40 km nur bergauf! Ok, zugegeben von 0,000 m/Meereshöhe auf 100 m über Meer - auf 40 km. Aber der abnehmende Sauerstoff!!
Nein, es war wohl eher die tierische Hitze heute!

Aber von Anfang an:

Es fällt mir heute schwer mich n vo "Pfannenofen" - Panoven zu trennen. Der Ort ist besonders.

Ich bin relativ früh wach und mache noch einmal einen Spaziergang durchs Gelände.


Um den Frühstücksraum sind alle Produkte ausgestellt, die in der Ziegelei so gebrannt wurden.



Auch Kanalrohre, wie es scheint.


Während des Frühstücks lerne ich auch Jans Mutter kennen. Ich drücke mein Beleid, über den Verlust ihres Mannes aus. Sie erzählt, dass die letzten Jahre nicht leicht gewesen sind, er war schon länger sehr krank. Er ist mit 82 gestorben, sie könnte etwa in meinem Alter sein. 
Jan ist heute zurück nach Mechelen gefahren.

Während ich mit Albert die heutige Tour bespreche, ich will sicher gehen, was heute "Vorschlag" - "Einfach" und "kurz" bedeuten, spielen 3 junge Katzen neben meinem Stuhl. Idylle pur. Der riesige alte Hund, Marke Flokati, - mit dem Flokati eigenen Geruch, verabschiedet sich auch von mir und rubbelt sich an meinem Knie. Auf dem Landgut Panoven habe ich Freunde gefunden,

Beim Rausfahren ein letztes Foto


Erst jetzt fällt mir auf, das es ein bisschen unheimlich ist. Schaut mir da Jans Opa aus dem Brennofen hinterher???

Meine letzte Etappe in den Niederlanden.  In Doetinchem wird mir noch einmal ein typisches Hollandbild präsentiert.


Dann ändert sich Holland mehr und mehr. 


Seht Ihr, was ich sehe? Das sind für holländische Begriffe Berge, und so fühlt es sich auch an.
Aber zum Glück, die Straßen sind kilometerlang schnurgerade, kein Gegenwind, eher ein bisschen W-Bike, und viele schattenspendende Bäume. Sonst wäre das heute eine  Qual geworden.


Aber es ist trotzdem heiß! Zum Glück komme ich in den richtigen Abständen an Geschäften vorbei, um meine Wasservorräte aufzufrischen. Einen Eistee, den ich in Doetinchem gekauft habe, ist nach einer 1/2 Stunde heiß. Nicht lauwarm oder warm, nein heiß!!
Man sagt ja Heißgetränke sind bei Hitze gut, also weg damit!

Zwischen Doetinchem........und....... Winterswijk schnurgerade Straßen, ab und zu ein Hof. Ich teste meinen Geruchssinn. Viehwirtschaft ....... Schweine...... Hühner ....... Pferde, sonst nur Felder, missratener Mais, braune Weiden.

Die Highlights der Etappe, 

3 Milchkannen in der Mittagssone (müsst Ihr Euch vorstellen, ich war zu f*** faul, den Foto rauszuholen)


Ein Eierautomat, mit Kundin. Ob man heute noch rohe Eier bekommen hat, oder nur gut durchgekochte?

Und


Die Begrüßung für den kleinen Twan. Ich freue mich mit den glücklichen Eltern und wünsche ihnen, dass   het klein kaas koppie etwas ansehnlicher ausgefallen ist!!


Tja, das war es eigentlich schon von 40 km durch die Holländischen Randgebiete.

Ein Schild und ein Vogelbeobachtungsturm behaupteten, es gäbe hier Flamingos.



Wer in diesem Vogelbeobachtungsturm keinen Herzkasper bekommt, hat ein gesundes Herz.
Ich sehe nicht einmal Ansätze eine Flamingoinsel!!
Geschweige denn irgendwo Wasser.

Und auf einmal,


scheine ich in Deutschland zu sein. Mir ist nirgendwo auf meinen kleinen Wegen irgendein "Hoheitszeichen" aufgefallen. 

Die Radwanderkarte 10, die ich heute quer durchgeradelt bin heißt: "Achterhoek" -  das bedeutet: "hintere Ecke". DAS kann ich voll und ganz bestätigen.

Aber auf deutscher Seite sind Vreden und all die anderen netten Städtchen ehrlich gesagt, auch "Achterhoek".  

Ich muss zugeben, ich habe ein Faible für  all die "Acherhoeks" dieser Welt - wie in einem Haus überlebt da manches, was anderswo längst auf der Müllhalde der Geschichte gelandet ist!

Auf alle ACHTERHOEKS dieser Welt !! 



15:30 Zielankunft in Gescher. 

Jetzt bin ich doch froh aus der Sonne und aus den Radelklamotten zu kommen. 

Gescher die Glockenstadt, hat eine renommierte Glockengießerei und ein Glockenmuseum. Für beides ist es zu spät und zu heiß.

Ich verziehe mich in das kühlste "Achterhoek" meines Zimmers und lasse den Tag ausklingen.

Gerade Tage, die sich durch NICHTS - absolut NICHTS auszeichnen, bleiben oft lange im Gedächtnis haften.

Übrigens: Morgen ist meine letzte Etappe dieser Reise. Ich hoffe Morgen um die Zeit bin ich in Münster. 
Ein Ruhetag und Stadtbesichtigung.
Und Donnerstag geht es mit dem Zug zurück nach Engen.
Sind wirklich 3 Wochen schon fast rum. Anders ausgedrückt, waren das wirklich nur 3 Wochen?

Bis Morgen!!

Sonntag, 5. August 2018

19. Tag: Von Amersfoord nach Zevenaar




Wieder einmal Partymeile unter meinem Hotelzimmer. Der ganze Marktplatz war heute Nacht voll.
Die Holländer sind tatsächlich "feier beasts" wie ein berühmter Trainer einmal meinte. Ich habe mir gestern Abend schon so etwas gedacht. Eine Bar an der Ecke des Marktplatzes war ganz auf "Gay Pride" eingestellt.
Aber es hat mich nicht sonderlich gestört. Denn dieses Mal war die Klimaanlage in der Tat von Vorteil.
Am Morgen alles wieder harmlos und friedlich, obwohl die Reinigungsmaschinen um 6:00 nicht ganz ohne waren.
 Amersfoord an einem Sonntag Morgen. Nach einer solchen Party, kein Wunder,- niemand auf den Straßen


Tschüss! Hier hat es mir wirklich sehr gut gefallen. Das ist ein Turm der äußeren Stadtmauer, die noch über weite Strecken gut erhalten ist- oder rekonstruiert wurde.

Der Morgen ist erstaunlich "frisch" (nur 24°), die Windrichtung stimmt.
Ich komme flott voran, und die Kanäle und Flüsse gehen in die richtige Richtung Ich bin gar nicht so weit entfernt, von der Strecke, die ich im "Raufweg" gewählt habe.
Ich weiß, alter Streitpunkt mit unseren Norddeutschen Freunden. Die fahren zu uns "rauf" - weil sie meinen, wir wohnen in den Bergen. Und wir fahren immer die Karte rauf - was nicht minder blödsinnig ist. Aber der Norpol ist nun mal oben auf der Kugel...
Fangt jetzt nicht mit oben und unten im Weltall an!!!


Das Gras legt sich in die richtige Richtung. So kann man endlich einen guten Schnitt halten.




Die Spuren des Krieges sind wieder häufiger. Wie es scheint komme ich näher an die Grenze zu Deutschland.


Hier hat jemand Hunde gern. Oder hat er eine eigene Meute für die Fuchsjagd? Das sind bestimmt 50. Da gebe ich dem Fuchs wenig Chancen. 




Und dem Hasen erst recht keine.

Auf einer Karte sehe ich, dass ich gar nicht so weit entfernt von Wageningen bin, wo Till seinen Master gemacht hat. Die Windrichtung ist genau richtig und das Sträßchen traumhaft, also, warum nicht einen kleinen Schlenker machen.


Ich erinnere mich ganz gut an Wageningen. Doch dort angekommen, finde ich natürlich nichts auf Anhieb. Weder die Uni, noch Tills Wohnheim. Es ist inzwischen heiß, also lasse ich Albert wieder bestimmen, wo es lang gehen soll.



Durchs sonntagmittäglichverschlafene Wageningen bin ich durchgekommen, an manche Ecken erinnere ich mich. Auch an den Damm hinter den Häusern, da sind wir entlang spaziert und haben auch den Schornstein gesehen.


Aber dann sagt Albert links raus und zur Fähre! Zur Fähre? Ich will nicht zurück über den Rhein, nicht Richtung Millingen!!


Dieser Arm bei Wageningen heißt, Nederrijn. Also bin ich nicht bis zur Waal zurückgekehrt



Die wievielte Fähre ist das inzwischen? Ich habe aufgehört zu zählen. Aber sie hat eine Besonderheit, die man nicht mehr so oft sieht. Sie läuft über eine Kette am Grund des Flusses. Die Strömung trägt zum Vortrieb bei, wenn man das Schiff im richtigen Winkel anstellt. So braucht man den Motor eigentlich nur zum Steuern beim Anlanden und Ablegen.

Warum wird das nicht mehr so häufig genutzt?

Dann geht es weiter nach Arnheim. Es ist inzwischen wieder bratpfannenmäßig heiß, so dass ich keine Lust habe nach der berühmten Brücke zu suchen. In Erinnerung ist diese Episode des II. Weltkrieges vermutllich hauptsächlich wegen des Films- und nicht wegen der gigantischen Idiotien, die dort seitens der Kriegsbeteiligten abgezogen wurden.


Das ist Huissen. Und der Kirchturm gehört zu "Unseren lieben Frau". Huissen hat mal zu Kleve gehört. Ich bin wirklich ganz nahe an der Stelle, an der ich vor einer Woche schon mal vorbei geradelt bin.
Moment mal? Vor einer Woche? Kann das sein? Augenblick! Tatsache. Letzten Samstag war ich in Millingen. Was für eine ereignisreiche Woche!

Also, Kleve ging nach Napoleon verschütt und Huissen kam zu den Niederlanden. Blieb aber katholisch. Weshalb man in Holland, zumindest in Huissen  Karneval feiert.

Während des II. Weltkrieges wurde Huissen zweimal zerbombt. Einmal von den Deutschen, dann noch einmal von den Alliierten, so dass niemand mehr da war, der hätte "befreit" werden können. Das sieht man dem Städtchen heute noch an.

Gleich hinter Huissen, noch einmal eine Fähre über den Niederrhein. Ich vermute mal, das wird die letzte sein, auf dieser Reise. 


Auf den ersten Blick, eine ganz normale Fähre. Doch auch sie hat ein Besonderheit, die ich erst einmal anderswo - wenn ich mich Recht erinnere an der Elbe, gesehen habe. Auch sie nützt die Strömung. Aber nicht mittels Grundkette sondern durch Boote, die in der Flussmitte verankert sind.


Wenn man genau hinschaut, sieht man im oberen Bild das Seil, das zu dem ersten der 3 Boote führt. Dieses Boot ist praktisch der Drehpunkt. Die Strömung will das Boot nach unten treiben, die verankerten Boote stellen sich automatisch dagegen und lassen die Fähre, wie einen Drachen zum anderen Ufer gleiten. Wie die 3 Boote sich synchron bewegen, ohne dass sie jemand steuert sieht abgefahren aus. Auch hier könnte man theoretisch ohne zusätzliche Motorkraft übersetzen, für das An- und Ablegen hat die Fähre aber schon einen Motor. Die Fähre an der Elbe ist viel kleiner und braucht, glaube ich keine Motorkraft.

Als ich meine heutige Unterkunft in Zevenaar gebucht habe Fiel mir der Name "Panoven" nicht sonderlich auf. Als ich jedoch heute Nachmittag in die Anlage "Panoven" außerhalb der Stadt einlief, 


war mir einiges klar.

Das es nicht "Meine Herren" (tschechisch) heißen kann, logisch. Pan - klar "Pfannen" - Dachpfannen, Dachziegel und Oven ist auch klar.
Ich werde heute in einer ehemaligen Ziegelei übernachten. Das ist schön. So gefällt es dem Volkskundler. Nicht ein Museum besuchen, sondern in einer historischen Stätte übernachten. 
Mit dem jungen Mann, der die riesige Anlage managt verstehe ich mich von  Anfang an gut. Zwar hatte er heute bis heute Morgen eine große Gruppe zu beköstigen, die ist aber abgereist, und der Koch ist auch nach Hause gegangen. Aber für mich macht er noch ein Abendessen - aus den "Resten". Es gibt: Tomatensuppe - sehr lecker. Hamburger mit Pilzrisotto und Rucolasalat mit Schafskäse. Hört sich sehr schräg an, schmeckte aber super. 
Der junge Mann ist noch sehr unkonventionell in seinem Geschäft. Er erzählt mir, dass sein Vater vor 3 Wochen gestorben ist. Er studiert eigentlich noch an der Hotelfachschule in Mechelen und ist nur jetzt in den Ferien hier um seiner Mutter zu helfen.
Sein Vater hatte die Ziegelei noch betrieben. Zuerst wurden tatsächlich hauptsächlich Dachziegel produziert, dann mehr und mehr Backsteine.


Sein Vater hat bis 1982 Ziegel gebrannt, dann wurde der Betrieb langsam zu einem Hotel- und Gaststättenbetrieb umgebaut. Wobei, die alten Einrichtungen und Gebäude alle erhalten geblieben sind. Das ist zum Beispiel ein Tagungsraum oder für Feiern. Früher wurden da Ziegel getrocknet, bevor sie gebrannt werden konnten.


 
Das ist das Herzstück der Ziegelei. Der Brennofen. Man hat den Eindruck, da ist nur Pause zwischen zwei Beschickungen. Alles ist noch da, vieles liegt einfach nur herum. Das ist wunderbar gemacht. Beziehungsweise nicht gemacht, sondern belassen. Das gefällt mir ausnehmend gut.





Hier konnten ganz schön viel Ziegel gebrannt werden.


Das ist der Großvater meines Gastgebers. 



Das sind die Modeln für die Ziegel. Die Tongrube ist gerade über den Weg.



Das ist meine heute Unterkunft. Ich habe eine etwas größere Hütte bekommen, damit ich mein Fahrrad mit rein nehmen kann.

Ich fühle mich sehr wohl op Buitengoed de Panoven.

Und so ruhig, war es seit Stayokay in den Dordrechter Sümpfen nicht.

Ach ja. Der eine oder andere wird sich gefragt haben, wie denn der Hackerangriff auf meinen Bierverstand seitens des H***-Konzerns ausgegangen ist. Ich habe die Umprogrammierung durch eine Gegenprogrammierung einigermaßen in den Griff bekommen. Toi,toi,toi.

Wann immer, aus den Tiefen meines Unterbewußtseins der Name H**, wie die wunderbaren Kohlensäurebläschen aus der goldgelben Flüssigkeit nach oben steigen, um in eine Schaumkrone zu münden, wann immer, sich der Name

Hein   Hein  Hein  - zu formieren beginnt - knalle ich ihm  Blöd - entgegen.
Und siehe da, mit Hein Blöd vor Augen, ist der Spuk verschwunden. Wie war noch mal der andere Name?

Bis jetzt funktioniert meine  NLP  ganz hervorragend. Hein Blöd, Hein Blöd, Hein Blöd.....

Schaut Morgen wieder vorbei!!
Bis dann




24.Tag: Wieder zurück!! Wie versprochen, melde ich mich noch einmal, um Euch von meiner abenteuerlichen Rückreise zu berichten! ...