22.Tag: 2.Tag in Münster
Heute Morgen, bzw. heute in der Nacht habe ich über meine Entscheidung, noch einen Tag in Münster heftig geflucht!
NOCH SO EINE NACHT?
Hoffentlich nicht.
Wenn man nicht in die obere Preisklasse will, dann muss man Einbussen in Kauf nehmen, wenn man innenstadtnah wohnen will.
"In Bahnofsnähe", das weiß ich schon, ist Innenstadt, aber manchmal laut. ABER SO LAUT. Mein Zimmer geht hinaus auf die Gleise des Güterbahnhofs. Da wercen in der Nacht die neuen Züge zusammengestellt. Paaduscchhh!! Macht es, ziemlich laut, wenn Druckluftschläuche der Bremsen getrennt werden! Padamm!! wenn einer neuer Waggon gegen den stehenden Zug rollt. Dann tutet die Rangierlok, dann donnert ein Güterzug durch! Irgendwas ist immer los.
Doch das ist noch nicht das Schlimmste. Neben dem City Hotel ist eine Shishabar. Denen war es heute Nacht auch zu heiß. Sie haben sich hinters Haus, unter mein Fenster, ins Freie verzogen- und nicht nur parfümierten Tabak geraucht. Das Ganja muss gut gewesen sein. Besonders eine junge Dame hat sich köstlich amüsiert. Was immer jemand gesagt hat, sie bricht in eine Lachkaskade aus, die bei mir in meinem Bett, leider nicht ansteckend ist. Sie lacht und lacht. Eigentlich kein unsympathisches Lachen, - aber fürchterlich laut.
Irgendwann gibt nur die Alternative. Fenster zu und schwitzen, oder eben nicht schlafen!!
Aber irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen.
Heute Morgen ist es bewölkt. Es hat abgekühlt, sogar ein wenig geregnet.
Gut. Auf geht´s Münster hat einiges zu bieten.
2018 steht in Münster natürlich unter dem Zeichen des "Westfälischen Friedens" - 400 Jahre Beginn des 30jährigen Krieges und 370 Jahre der Frieden von Münster und Osnabrück.
5 Ausstellungen zum Thema Frieden.: "Frieden - unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 - Sharing Heritage".
Das ist ganz großer Aufwand. Was ich gestern so an verschiedenen Plätzen schon als Kunst im Öffentlichen Raum zum Thema gesehen habe, hat mich nicht so unbedingt überzeugt.
Ein Kunstobjekt in eine Ecke zu klemmen, tut der modernen und der Kunst am Bau keinen Gefallen, mich hat ehrlich gesagt mehr interessiert, was hinter dem Lichtobjekt war.
Und die beiden Augen auf den Türmen des Doms, erscheinen mir, mit Verlaub, läppisch!
Aber Münster hat so viel mehr zu bieten, als "Westfälischer Frieden" und "Täuferreich von Münster". Aber das natürlich auch.
Deshalb mache ich heute Morgen zuerst eine kleine Runde durch die Stadt. Um wieviel entspannter geht es in der Fahrradstadt Münster als in Amsterdam zu!
Bis mir an dem Schloss/der Uni kommt
hier ist "Tote Hose" - klar Semesterferien! Das erklärt wohl, warum es sich heute so entspannt radeln lässt.
Dann weiter in die Altstadt und gleich etwas ganz besonderes.
In der Überwasserkirche (die so heißt, weil sie vom Dom aus gesehen über der Aa liegt. Aa muss man sich fürs Kreuzworträtsel merken)
Hier wird die Orgel gestimmt. Und zwar die gaaanz tiefen Töne. Da schwingt das Bauchfell gewaltig mit. Der junge Mann lässt sich Ton geben. Nimmt den Hammer und klopft am Pfeifenansatz. Dann wieder Ton. Das ist spannend. Ich setzte mich still hin und schaue zu. Nachdem er die ersten 3 der ganz großen Pfeifen gestimmt hat. Klettert er herunter von der Leiter, herunter von der Arbeitsbühne, verschiebt die Arbeitsbühne ein wenig. Klettert hinauf auf die Arbeitsbühne, hinauf auf die Leiter - und weiter geht es. Gitarre lässt sich leichter stimmen!
Aber mit der Zeit brummt mir ob der tiefen Töne leicht der Kopf.
Beim Rausgehen sehe ich den Taufstein
Liegt das an den tiefen Tönen? Die beiden turteln doch für eine Kirche etwas zu heftig, oder? Das ist ja kurz vor Zungenkuss!! Und das in einer Kirche- auf dem Taufstein! Oder ist das ein katholische Variante des Aufklärungsunterrichts?
Aber jetzt zum Großereignis "Frieden". 5 Ausstellungen, dazu noch die ständigen Sammlungen - das werde selbst ich nicht schaffen.
Zumal das LWL für Kunst und Kultur (falls sich jemand fragt: LWL heißt "Landschaftsverbund Westfalen/Lippe) - d a s Westfälische Kunstmuseum ist (Eigenauskunft)
Was stimmt. Es besitzt eine ganz hervorragende Sammlung.
Keine Angst heute versuche ich - anders als in Amsterdam - eine "Kurzfassung" dieses unglaublich anregenden Tages zu geben.
Für mich eine Entdeckung war Hermann tom Ring und sein Vater Ludger tom Ring. Die beiden haben vom Bildersturm der "Täufer" ganz offensichtlich profitiert. Nach der Niederschlagung der Täuferbewegung, hatte Münster ein erhebliches Bilderdefizit, was der Werkstatt der tom Rings die Auftragsbücher gefüllt hat.
Sie sind aber auch wirklich gut.
Das ist ein ganz spannendes Bild. Es war lange Zeit verschwunden. D.h. man hat das Bild der Familie des Grafen Rietberg irgendwann in 3 Teile zersägt. Die Töchter ein Bild, Frau Riedberg ein Bild und der Graf ein Bild. Nach und nach konnte man die Bilder in England zurückkaufen.
Das Bild ist von der Witwe Rietberg in Auftrag gegeben worden, nachdem ihr Mann im Kerker gestorben war. Er hatte einen Verwalter in einem Wutanfall umgebracht - ein richtiger Krimi also - war verurteilt worden, die Besitztümer eingezogen und die Witwe musste nach Aurich fliehen.
Das Bild ist von der Witwe Rietberg in Auftrag gegeben worden, nachdem ihr Mann im Kerker gestorben war. Er hatte einen Verwalter in einem Wutanfall umgebracht - ein richtiger Krimi also - war verurteilt worden, die Besitztümer eingezogen und die Witwe musste nach Aurich fliehen.
Die Experten sind sich nicht einig, was die Witwe damit bezweckte. Eine Art Ehrenrettung für den Namen ?
Aber auch die Propheten- und Sybillenbilder der von tom Ring sind unglaublich stark!
Ok. Aber jetzt zu den Friedensausstellungen.
Da hat man ganz streng darauf geachtet, dass nicht fotografiert wird. Das Konzept der Ausstellung im LWL ist wirklich spannend.
Paradiesdarstellungen - als Friedenssehnsucht.
Orpheus - Kunst als Friedensutopie.
Venus rüstet Mars ab.
Soweit nichts Unerwartetes. Dann aber die Bilder in denen Frieden und Gerechtigkeit, Frieden und Wohlstand miteinander in Verbindung gebracht werden.
Dazu zeigt die Ausstellung tolle Bilder aber sie lassen die zentrale Fragestellung aus.
Gerechtigkeit hat ein Schwert, in einem Bild sogar das Rutenbündel mit dem Beil. Da hört man doch die "kalten Krieger" - wehrhafter Frieden, kein Frieden ohne Stärke. Diese Widersprüchlichkeiten, die in den Bildern sind und seit Jahrhunderten unsere Friedensvorstellungen spalten, lassen die Kommentare aus. Ist ihnen das zu heikel?
Ganz spannend auch die "Rituale" der Friedensverhandlungen, die "Vermittler", wie ähnlich sich der Wiener Kongress, Münster und Camp David sind!
Diese Ausstellung hat mich wirklich gepackt.
Auch das Picassomuseum mit seiner Ausstellung zur "Friedenstaube", seinen Variationen und seiner politischen Geschichte- und der Ausstellung, um das Guernicabild (das natürlich nicht zu sehen ist, aber eine sehr gute Installation von Tatjana Doll) und dazu die Fotos zu den verschiedenen Variationen in der Entstehung von Dora Maar.
Aber auch Picassos Taube und die Rezeption in der UdSSR und der DDR.
Beziehungsweise, die nachträgliche Anfrage an den Genossen Picasso, wenn sie die Friedenstaube eingesetzt haben.
Ach, es gäbe von heute noch so viel zu berichten. Etwa von der wunderschönen Ausstellung zum Zirkus im Picassomuseum mit Bildern von Picasso, Chagall, Georges Rouault, Matisse und Leger.
Oder der exzellent konzipierten Ausstellung im Stadtmuseum.
Ein toller Abschluss, einer sehr schönen Reise!
Drei Bilder zum Abschluss - als erste Zusammenfassung:
Im Beipromm: "Mein Beitrag für den Frieden"
Na, wer sagt`s denn! - "A banana a day keeps all warriors away!!"
Mögen noch viele Friedensfahrten von Manne ihren Beitrag zum den Weltfrieden leisten.
"Ich weiß nicht ob deine Oma Fahrrad fährt"
Aber Manne fährt auf jeden Fall weiter - vorausgesetzt er bekommt dieses Fahrrad noch einmal zusammengeschraubt.
Übrigens, auch wenn manche Münsteraner Damen eine unglaublich nervige Lache haben (bitte, bitte lache heute Nacht anderswo), habe ich mich in Münster sehr wohl gefühlt. Easy going, man kommt gleich ins Gespräch, zwinkert sich zu, sehr entspannt.
Ach ja, noch eine Kleinigkeit. Mittagspause im Stadtcafé. Hier treffen sich die Damen der Stadt. Am Nebentisch 3 Freundinnnen. Sie unterhalten sich ungelogen, eine Stunde n u r über ihren Kleiderschrank. Ende 60, alle drei dauerblond, mit Sonnenbrille. Die nette, dunkelhäutige Bedienung bringt die neue Bestellung: "Hier bitte schön, ihr Espresso. Einmal Wasser! Und für sie der Kaffee und wie gewünscht der Süßstoff!" "Sie, sprechen aber gut Deutsch! Wie lange sind Sie den schon hier?" "Ich bin hier geboren, aber trotzdem Dankeschön!" - Ein Klassiker,- aber immer wieder gruselig gut.
Ich melde mich Morgen noch einmal aus Engen!!











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