21. Tag: Von Gescher nach Münster
Letzte Etappe der Reise!!
Drei Wochen. Kann ich fast nicht glauben.
Gestern Abend klebten Stücker 50 Wellensittiche, die zum Hotel gehören, an der rechten Wand, im letzten bisschen Schatten in der Voliere. Heute Morgen scheint es ihnen wieder besser zu gehen. Mal sehen was der Tag so bringt.
Beim Rausfahren aus Gescher komme ich noch an der Hauptattraktion der Gemeinde vorbei - der Glockengießerei.
Sieht unspektakulär aus. Hier werden aber zur Zeit die meisten neuen Kirchenglocken gegossen.
Falls überhaupt noch neue benötigt werden.
Es ist gerade mal Viertel nach 8 und ich möchte schon nicht mehr gerne anhalten, um Fotos zu machen.
Der running gag dieser Reise, "der heißeste Tage..." jeder neue Tag wird heißer!
Um die 60 km soll die letzte Etappe dieser Reise sein. Aber sie hat es in sich. Es geht, wie gestern, immer nur gerade aus - und immer nur bergauf. So ein Profil hatte ich überhaupt noch nie. Nie ist es wirklich steil, aber immer merkt man, dass es ein klein wen bergauf geht. Kein wirklicher Höhenrücken, keine Bergstrecke, einfach nur "etwas" bergauf. Anscheinend bin ich aus den "Nieder"-Landen noch nicht vollständig raus. Wie, wenn man über 60 km aus einem "Nichtschwimmerbecken" herausfährt.
Ein heißer Föhn bläst zudem von Osten. In Coesfeld will ich Pause machen. Der Wochenmarkt, entspricht dem von Engen. In der Kirche ist eine Mesee. 15 Frauen, 2 Männer. Halten sich nicht mehr an die Regel: Männer rechts, Frauen links!
Coesfeld ist zu über 90 % im Innenstadtbereich im 2.Weltkrieg zerstört worden. Historisierender Neuaufbau gefällt mir meist nicht. Aber "Zitat-Neuaufbau" ist fast noch schlimmer.
Die Skulpturen Gruppe stammt von Jürgen Goertz, - Goertz? Richtig, der Martinsbrunnen auf dem Marktplatz in Engen.
Während ich die Engener Arbeit sehr schätze, kommt mir die Figurengruppe "Konferenz der Elemente" ehrlich gesagt etwas "willkürlich" vor. Vor allem das Luft-Element ist für mich unausgewogen. Der Frosch und der Fisch werden irgendwo im Hinterhof rumgestanden haben, und Coesfeld wollte einen Goertz. Ne, lieber Jürgen, da hast du schon besseres abgeliefert. Vor allem als "Konferenz" funktioniert die Gruppe überhaupt nicht. Auch nicht nach der 10. Umrundung.
Aber vielleicht bin ich heute Morgen hitze-bedingt nicht besonders fit.
Nach Coesfeld geht es weiter "hoch" .
Wirklich interessantes? Fehlanzeige. Vielleicht noch die Ortsnamen, die klingen wie von einem anderen Planeten: Darup, Nottulm, Rorup..
Und es wird heißer - und ich werde langsamer.
Eigentlich wollte ich heute den Blog damit beenden, dass 3 Wochen viel zu kurz sind, für eine Sommerreise. Aber im Laufe des Tages bin ich mir da nicht mehr so sicher.
Ich komme am frühen Nachmittag relativ platt in Münster an.
Auch wenn ich Morgen noch einen Besichtigungstag eingelegt habe, will ich dennoch eine erste Runde machen.
Mümster hat viel zu bieten. Im Rathaus, der Westfälische Frieden, 1648. Interessant war ja, dass der Friedensvertrag in Münster zustande kam, lag daran, dass in Osnabrück, die Protestanten verhandelten und in Münster die Katholiken.
Hier wurde der 30 jährige Krieg beendet.
In den Holzschnitzereien geht es ganz schön zur Sache. Da beharken sich zwei kopflose Ritter um den Kopf, den sie beide in den Händen halten. Keine Ahnung worauf das eine Anspielung ist.
Aber friedlich geht es in der Dekoration des "Friedenssaales" mitnichten zu.
Es gäbe diesen Raum nicht, hätte man ihn vor den Bombardierungen nicht ausgelagert. Denn auch Münster ist zu 90 % zerstört worden. Und auch das sieht man der Stadt in ihrer Künstlichkeit an. Bis auf die schönen Fassaden, ist es halt eine Einkaufsinnenstadt wie viele!
Trotzdem ist Münster ein historischer Hotspot wie wenige.
An der Lamberti Kirche noch immer die Käfige der Wiedertäufer. Und es sind immer noch die Originale, auch wenn sie in ihrer wechselvollen Geschichte nicht immer da oben hingen. -
Ich bin beim Anblick der Käfige zwiespältig. Es sind Zeugnisse von Leid und Grausamkeit, und verkommen da oben um "Nervenkitzel" für Touristen - aber sie gehören dennoch dahin!
Ich denke, ich werde Morgen noch einiges über die Wiedertäufer erfahren.
Auch
Der Dom gibt sich in vielen Details ganz schön martialisch - und gar nicht christlich.
Tja, ziemperlich war die katholische Kirche nie!
Eher zufällig stoße ich dann doch noch auf einen richtigen Knaller.
Davon hatte ich schon gelesen. Gerhard Richter hat in der ehemaligen Dominikaner Kirche eine wunderbare Installation realisiert. "Zwei graue Doppelspiegel für ein Pendel". An einem 28 m lanen Stahlseil schwingt ein "Foucaultsches" Pendel. Auf der runden Platte sind 360° eingekerbt. Wenn man dem Pendel lange genug zuschaut, sieht man, wie sich die Erde unter dem Pendel weiterbewegt.
"Genial"!
Eigentlich wollte ich, wie es sich nach einer Reise gehört, am vorletzen Tag mit dem resümieren anfangen.
Aber gerade ist es noch so fürchterlich stickig, dass meine Gedanken nicht wirklich sprudeln.
Ein erstes Ergebnis aber vorab:
Es hat sich eingebürgert sprachlich fürchterlich witzig zu sein. Es gibt endlos Varianten auf "Bar" - "Bar-jeglicher Vernunft" etc..
Auf der nach unten offenen Skala für schlechten Geschmack sind diese beiden Witzbold-Bars auf den bislang letzten Patz gelandet:
Hier gibt es Sandwiches! Ha ha!
und in Amsterdam gibt es eine:
Habt Ihr verstanden? Escobar! Esco-Bar!
Einen Kriminellen und Massenmörder so zu verharmlosen, das darf der dümmste Wortwitz nicht!!
Morgen gehe ich nur in Museen!
Wir sehen uns!














Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen