Samstag, 28. Juli 2018

11. Tag: Von Voerde nach Millingen aan de Rijn





Am 11. Tag bin ich in Holland eingefahren - gerade rechtzeitig vor dem Gewitter!!

Aber von Anfang an!

Gestern Abend, die Mondfinsternis, war eine Pleite! Ich bin mehrfach ums Hotel geschlichen. Vom Mond keine Spur! Wo hat er sich nur versteckt!

In der Nacht kühlt es ab. Heftige Boen lassen die Hotelfenster klappern. Heute Morgen schwere Regenwolken. Mal sehen wie lange ich trocken bleibe. Aber wenigstens hat die extreme Hitze etwas nachgelassen. Von Voerde nach Wesel sehr entspanntes  Radeln. Verschlafene Dörfer, und am Samstag um 8:00 Uhr 2x verschlafen


Ein Wintergarten fällt mir auf. Randvoll mit Motorrädern und einem Auto. Das ist keine Werkstatt, sondern wirklich ein Wintergarten, an einem ganz normalen Einfamilienhaus. - Das kann nur ein "Scheidungshaus" sein!! Welche Frau lebt in einem Haus mit Wintergarten, das vollgestellt ist mit Motorrädern!


Das ist der Weser-Datteln-Kanal und das ist die


LIPPE. Und im Hintergrund die Rheinbrücke von Wesel.

Wesel am Samstagmorgen! Habe ich mir gespart!
Aber Allen, die jetzt im Chor die Frage nach dem Bürgermeister von Wesel stellen!
Es ist kein Er sondern eine Sie und heißt,

ULRIKE WESTKAMP

Merken! Setzen! - Und überhaupt bezog sich der Ursprung dieses Rufes, "Wie heißt der Bürgermeister von Weeeesel?,  nicht auf dieses Wesel. Die Rheinschiffer am Mittelrhein haben das bei Oberwesel gerufen - und das entsprechende Echo erhalten. - Hätte ich eigentlich auch ausprobieren können.

Dann die Brücke:



Elegantes Bauwerk. Kaum bin ich auf der linken Seite, fängt der Regen an. In der Unterführung unter der Brücke treffen sich die Radfahrer und warten den Regen ab. Man kommt ins Gespräch, - d.h. die hardcore-Rennradler halten sich ein bisschen abseits. Satteltaschenradler sind für sie Parias. Nach einer halben Stunde geht es weiter. Immer auf oder neben dem Damm.


Das sind die Reste der Hamburg-Venloer-Eisenbahnbrücke, die im II.Weltkrieg zerstört worden ist.

Dann rolle ich durch das Naturreservat "Bislicher Insel"  der größten zusammenhängenden Auenlandschaft (von Deutschland? Niederrhein, Milchstraße - keine Ahnung, größte halt) mit einem sehr interessant gestalteten Informationszentrum. Ich darf mir die Ausstellung anschauen, obwohl eigentlich erst um 10:00 Uhr geöffnet wird. - Aber ob wirklich so viel mehr heute noch kommen werden? "Bislicher Insel" deshalb, weil Friedrich der Große hier eine Begradigung des Rheins vornehmen ließ und zusammen mit dem abgeschnittenen Altrheinarm eine Insel entstand. 
Dann rolle ich in Xanten ein. Xanten -

"Dô wûohs in Nie­der­lan­den eins vil ede­len kü­ne­ges kint,
des va­ter, der hiez Si­ge­munt, sîn muo­ter Si­ge­lind,
in ei­ner rîchen bür­ge, wî­ten wol be­kannt,
nide­ne bî dem Rî­ne. diu was ze San­ten ge­nant. " (St.Galler, Niederschrift)

Santen - Xanten - Nibelungen, soweit war mir das klar. Aber, dass die Stadt ein Highlight nach dem anderen zu bieten hat, das wusste ich nicht.

Die Altstadt ist nett, aber offensichtlich im II.Weltkrieg ziemlich zerstört worden. Ebenso wie der St. Victor Dom. Dennoch war St. Victor ein Erlebnis. Und der "niederrheinische" Tilman Riemenschneider -  Heinrich Douvermann aus Dinslaken - für mich eine Entdeckung. Unglaublich was man mit Holz machen kann.


Die "Wurzel Jesse" ist ein unglaubliches Gefleckt von Wurzeln, Blättern und Figuren, und mitten drin, Jessaja,  ein schlafendes, männliches Dornröschen im Dornenhag. Dann all die anderen, - und zwischendrin Tiere, Mäuse, Igel, Hasen, Hamster ... es ist eine wahre Entdeckungsreise.



Dabei ist die Predella des Marienaltars nicht sehr groß, - aber was es alles zu entdecken gibt.

Und dies ist nur einer von 24 unglaublich schönen Altären, hinzu kommen Skulpturengruppen wie der  Kalvarienberg, die Bildteppiche und und und..

Es gibt wenige Kirchen, die mich ähnlich beeindruckt haben.

Geht man dann hinunter in die Krypta - dort wo normalerweise, die Gebeine der Heiligen "ruhen" - wird man mit einem Schlag ins 20.Jh zurück geholt. Das hat mich sehr beeindruckt. Unter dem Hochaltar, eine Gedenkstätte für Karl Leisner - der wegen regimekritischer Äußerungen im KZ war.
Einfache Würfel, mit den Namen der Nazivernichtungsstätten - Bergen Belsen - Auschwitz - Dachau etc... verbunden mit einem Band aus Stacheldraht. Sehr schlicht,  - und an dieser Stelle völlig unerwartet. 
Kann man nur hoffen, dass die Wächter der "Xantener Immunität" - in Zukunft etwas besser auf dieses Schatz aufpassen



Siegfried, Victor - aber damit ist Xanten noch nicht annähernd abgehakt. Es fehlen natürlich noch die Römer.


Ja bin ich vielleicht auf Sizilien? Das ist der Hafentempel.


Das sind Rekonstruktionen der Hafenanlage


Und so könnte Xanten zu römischer Zeit ausgesehen haben.

Und Kalkar und Kleve sollen nicht minder interessant sein. Also weiter.

Und ein zweites Mal komme ich in einen Regenguss. Wieder Halt unter einem Baum


In Kalkar wird die "Kirmes"- auf oder abgebaut. Die Kirche ist zu- warum auch immer. Schade, hier soll noch etwas vom Niederrheinischen Riemenschneider sein!!

Inzwischen gestaltet sich der Tag in eine Art Saunagang mit verkehrtem Aufguss. Erst, der Guss, dann kommt die Sonne heraus, alles Dampf, man schnappt nach Luft.

Also weiter -


Ehrlich jetzt, muss ich mich wirklich zwischen Till und Kleve entscheiden - Teasi (formerly known as Albert) sagt, Till ist schon ok - nach Kleve komme ich auch auf diesem Weg.

Und tatsächlich:

Das Tillsche Haus ist ein Überbleibsel der "Burg Till"

Und so hat sie vielleicht einmal ausgesehen.



Weiter - und noch ein Aufguss. Die Radwege sind heute überwiegend schnurgerade, man kommt gut voran. Letztendlich  ist das den Römern zu verdanken, die ja bekanntermaßen, die schnurgeraden Alleen liebten.


Ich komme gut voran - bis ich merke, dass mich das Teasi nach meinem Zielort Millingen lenkt - ziemlich weiträumig an Kleve vorbei. Den Dom und das Schloss sehe ich nur aus der Ferne.
Soll ich doch den Umweg machen - das würden dann um die 80 km heute, statt der über 70. Der nächste Sprühregen gibt mir die Entscheidungshilfe. So habe ich den Turm der Schwanenburg nur aus der Ferne gesehen.



Und die niederrheinische Landschaft kann man  auch ohne Kultur genießen. Wenn möglich, etwas beschleunigt, - die nächste Gewitterfront zieht auf - und dieses Mal scheint es ernst zu werden.


Als ich an der "Hamsche Kuul"  klingle, schlagen schon schwere Tropfen auf!
Die Leute in meiner heutigen Bed&Breakfast Unterkunft sind sehr nett, sehr unkompliziert und sehr kunstaffin,- mal sehen was ich Euch Morgen zu berichten habe

Slaap lekker!!!


Freitag, 27. Juli 2018

10. Tag: Von Düsseldorf nach Voerde




Heute Nacht hatte ich die Wahl zwischen Niedertemperaturgaren mit "50°" bei geschlossenen Fenstern, oder mein Bett auf den längsten Tresen der Welt zu stellen. Was die Leute in diesen Scharen in die Düsseldorfer Altstadt drängt, wird mir auf immer ein Rätsel bleiben. Gut das Alt ist gut. Das  "Uerige" ist besonders lecker. Aber dass aus einer nicht umwerfend attraktiven Altstadt eine "hippe" Partymeile wurde, in die man von weit her angereist kommt - nur um sich die Kanne zu geben und von einer Kneipe in die andere zu ziehen, das kann ich nicht wirklich nachvollziehen.
Bis 1:00 habe ich mich für Niedertemperaturgaren entschieden. Bei geöffnetem Fenster konnte man nicht einmal den Fernsehapparat verstehen, selbst wenn er voll aufgedreht war.
Danach war es zwar immer noch laut - aber erträglich, d.h. ich habe locker wieder einschlafen können. Gegen 6:00 Uhr waren dann die Kehrmaschinen und Reinigungskräfte zugange, die Glasmüllcontainer wurden geleert, da ist Aufwachen angesagt.

Aber dafür war das Frühstück hervorragend und mit Frau Aslan ging die Sonne auf. So was von "rheinische Frohnatur"! Als  ich sie auf die vielen Karnevalsfotos anspreche,  gibt es kein Halten mehr. Als "Funkenmariechen" hat sie in ihrer Jugend gewaltig Funken sprühen lassen,  nehme ich an! Nur ihr Hang zum "handlungsbegleitendem Reden" irritiert mit der Zeit.
Mit den Leuten hier in der Gegend kommt man wirklich schnell ins Gespräch - gefällt mir richtig gut.

Aber nun schwing dich langsam aufs Fahrrad!
Bis Mittag lässt es sich ganz gut radeln. Danach wird es von Kilometer zu Kilometer, von Wasserflasche zu Wasserflasche anstrengender.

Also raus aus der Partyzone


Keine 50 m vom "Alt-Düsseldorf" begegne ich diesen 4 Damen. Warum stehen die hier in der Fußgängerzone? Und woher kommen die? Solche Fragen interessieren mich immer.
Frage ich also eine Passantin. "Nä, wer das ist weiss ich nicht, aber die sind mal wo anders gestanden."
Stimmt!
Das sind die Karyatiden der alten Kunsthalle, die im 2.Weltkrieg  zerstört worden ist.
Karyatiden, sind, sorry wenn ich euch mit bekanntem belämmere, "Frauen mit tragender Funktion" in der Architektur, sie tragen Dächer, Eingangshallen, etc. Das hat Wikipedia jetzt mal schön formuliert - "mit" nicht "in" tragender Funktion, unsere Karyatiden von Düsseldorf stehen zwar ein wenig im "Hinterhof" - aber sie sind jetzt ihrer Last befreit! (Achtung: "Highly symbolic meaning")

Nach meinen mäßigen Erfahrungen auf der rechten Rheinseite gestern, will ich es mal wieder links versuchen (ich weiß, zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass mein Tagesziel auf der rechten Seite ist).

Ich radle über die Oberkasseler Brücke - und steige in die "überschaubare Landschaft" des Niederrheins (Reiseführerpoesie). Aber irgendwie stimmt es auch. Oben auf dem Damm. Felder, Weiden, Baumgruppen, Reiterhöfe, Bauernhöfe, weiter Horizont - gelbe vertrocknete Weiden. Dürre kaum entwickelte Maisfelder, gelbes Laub auf den Radwegen. Aber es lässt sich gut radeln. Nur stehen bleiben ist schlecht, dann fließt der Schweiß in Strömen. Aber als ich dieses Gefährt den Deich hochkommen sehe, muss ich einfach anhalten.


Das ist Haralds Hundezug. Er war gerade mit seinen 5(oder 6?)  Hunden beim Schwimmen. Ein tolles Rudel.

Er ruft gerade seine Truppe zusammen, weil es hier ein paar Bauern gibt, die es nicht so sehr mögen, wenn Die Hunde über die Felder heizen. Harald meint, es sind halt immer mehr geworden. Mal konnte eine Frau ihren Hund nicht mehr versorgen. Mal ist eine Bekannte weggezogen und konnte den Hund nicht mehr mitnehmen. Jetzt reist er eben mit seinen 5 (oder sind es inzwischen doch 6- der weiße ist seit gestern dabei) durch den Niederrhein.
Seinen Hundezug hat er selbst gebaut. Netter Kerl! Mach´s gut Harald.

Und keine 500 m weiter das nächste kuriose Gefährt. Helgas Kaffebar



Das ist Helgas Hand am linken Rand des Bildes, langes weißes wallendes Klein,Strohhut mit Blumenkranz, Typ weitgereist und nirgends wirklich angekommen. Sie baut gerade auf. Kann mir noch keinen Kaffee anbieten. Das dauert noch einen Moment. Ich will auch gar keinen Kaffee, mich interessiert mehr, wie jemand auf die Idee kommt hier im Niemandsland am Damm, seinen Kaffeestand aufzubauen. Es gibt es zwar einen Modellflugplatz und einen Parkplatz für Sonntagsradler, aber gäbe es da nicht lukrativere Standorte? "Brauchste für jeden Platz eine Genehmigung - in Deutschland  geht nichts ohne Genehmigung." Und für hier hat sie eine Lizenz bekommen.


Das "coffee bike" sieht schwer aus. "400 Kilo" sagt Helga, und nein, natürlich ist sie nicht den ganzen Weg hierher ins "Nichts" geradelt. Allein kommt sie über keinen Bordstein. Ihr Gefährt hat man ihr mit dem Hänger hierher gefahren.
Wenn man nur Kaffee verkaufen würde, dann könne man schon ein Stück radeln, aber sie hat auch noch Sonnenschirme und einen Tisch und Stühle dabei. Woher sie das coffee bike habe, frage ich. "Das ist eine franchise Firma, da muss man sich einkaufen."
OHA!
"Arme Helga" denke ich, das Erfolgsmodell liegt bei den Lizensgebern.
Du wirst dir vermutlich einen Sonnenstich holen, aber viel Geld ist da nicht zu machen.

Da schaue ich doch heute mal im Hotel kurz nach:

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Liebe Helga, ich hoffe sehr, es bleibt ein bisschen was bei dir hängen. Für 5000€ hättest du einen schönen Urlaub machen können!!

Die nächsten Kilometer - siehe oben - die Orte dösen in der Sommerhitze. Ich brauche unbedingt, Wassernachschub. Aber Geschäfte sind Fehlanzeige auf meiner Strecke. Da sehe ich am Rande eines Dorfes einen Spielplatz. Eine junge Frau schaukelt ihr Kind. Ich frage sie, wo es denn einen Laden in der Nähe gäbe. Sie runzelt die Stirn, mmh in der Nähe? "Wissen Sie was, ich wohne gleich da hinten und habe noch eine Wasserflasche im Kinderwagen. Ich kann mir eine neue holen." Sie geht zum Wagen und holt mir ihre Wasserflasche. Wie nett!
Ich mag die Leute am Niederrhein, freundlich offen, und manchmal ein bisschen skurril.
 Dann geht es auf Uerdingen  zu. 
Das sind die Stadteinfahrten, die ich überhaupt nicht mag. Hafenanlagen, Raffinerien, Containerumschlagplätze. Und über die Straßen richtig breite, tiefe Gleise, - in die man leicht hineinrutscht, passt man nicht höllisch auf.


        Da bekommen historische Industriebrachen und alte Drehbrücken schon "Romantikpunkte"



       Sorry Bärbel - heute ist kein Tag für gemütliche Stadterkundigungen. Und so gern ich die Gleumesbrauerei besichtigt hätte, bei 39° im Schatten, trinke ich mein Bier lieber, wenn das Fahrrad versorgt ist und ich geduscht habe.

Aber es hat auch wirklich schöne Ecken hier!!

z.B. habe ich heute die beiden ersten Windmühlen gesehen



Jetzt kommt es mir so langsam, dass mein heutiges Etappenziel in Voerde, auf der rechten Rheinseite sein könnte. In einem Fahrradgeschäft frage ich, wie man hier am besten auf die andere Seite kommt. "Gute Frage!" - der junge Mann grübelt einen Moment. "Ich denke, es ist am besten Sie nehmen die Fähre bei Orsoy." OK, er zählt noch ein paar Ortsnamen auf, die ich noch nie gehört habe.

Also auf nach Orsoy.


Der Ort scheint Teil einer alten Festungsanlage gewesen zu sein.

"Übersetzt bedeutet das Wort Orsoy (gesprochen: im Dialekt kurz und hart: Oschau oder: Orsau) in etwa „Pferdewiese“ (Rossaue)."

Orsoy wurde gegen das Herzogtum Jülich vom Herzog von Kleve, von Wilhelm dem Reichen,  ausgebaut , doch die Spanier machten die Festung in der 1.Hälfte des 16.Jh. platt. Dann haben die Holländer die Festung wieder ausgebaut, und Ludwig IVX hat sie wieder platt gemacht. Und so weiter....
Lieber Lesekreis, Herzogtum Kleve?

Die Fähre hinüber nach Duisburg wird rege genutzt. Es wartet eine ganze Schlange von Autos, aber die Fähre ist flott, und für ein Fahrrad ist immer Platz.



10 Autos und ein Fahrrad.


Auf der anderen Seite Richtung Alt Walsum kommen Gefühle von "Zonenrandgebiet" auf. 

Um 14:00 bin ich - zum Glück - schon im Hotel Niederrhein. 
Voerde - zumindest der Teil, durch den ich geradelt bin - macht nicht den Eindruck, als lohne es sich überhaupt noch einmal das Hotel zu verlassen. Aber ich habe mich trotzdem umgeschaut - und außer einem großen EDEKA und eine "Bundeskegelbahn" nicht viel gefunden. An der Bundeskegelbahn, saßen Bundeskegler (?) im Schatten und tranken sich ihren Saisonverlauf schön, denn heute zum "Training" waren nur 6 gekommen. Also hat man das Training gleich in den Biergarten verlegt. Da setzte ich mich doch an den Nebentisch und höre ein bisschen zu. Will schließlich wissen was Bundeskegler sind. 

So und jetzt noch eine Siesta, denn ich will die Mondfinsternis nicht verschlafen!

Wir sehen uns Morgen!!


Donnerstag, 26. Juli 2018

9.Tag: Von Köln/Zürndorf nach Düsseldorf


Karte


Auf jeder Reise gab es bisher ganz besondere Gastgeber, an die ich gerne zurückdenke:

Monika und Mick
Christel und Carlheinz
Edina und Karoly
Barbara und Klaus
UND SEID GESTERN

Ana Astrid und Martin (und der große schwer überschaubare Oetker-Clan)



Es war sehr schön bei Euch! Danke!



Martin hat mich noch auf dem 13 km langen Köln Parcours begleitet, 

"Unter 7 Kölner Brücken musst du durch..."

An der Mühlheimer Brücke , ist es fast geschafft, da beginnt  Leverkusen um die Ecke, und dank ist Martin  als Pacemaker sind wir "wie nix" durch Köln geradelt  und Martin ist wieder zurück gefahren - zum Frühstück!


Kurz vor der Mühlheimer Brücke ist übrigens der Hafen vom Holländer Michel, der ehemalige Holzumschlagplatz


Die letzten Tage gab es jeden Tag die gleiche Standardphrase: " So heiß wie heute,  war es noch nie !" - und auch heute traf sie wieder zu. Es war drückend heiß, - schwül! 

Auf der rechten Rheinseite, gab es immer wieder Abschnitte im Auwald, da ließ es sich aushalten, so lange man geradelt ist. Aber eine Pause im kühlen Schatten? Vergiss es, sobald der Fahrtwind weg ist, läuft der Schweiß in Strömen. Und dann kommen noch die Städte.
In der Stadt von Carl Leverkus war es besonders schlimm. 
Es gibt sicher nur wenige Städte die ihren Namen erst im 19.Jahrhundert erhalten haben. 
Der Apotheker Carl Leverkus aus Wermelskirchen ( das muss eigentlich Bärbel vorlesen, dann hört es sich erst richtig an: "Wäärmeskirschen") ist tatsächlich der Namensgeber für Leverkusen.
Und das Riesenwerk von Bayer steht gewaltig im Weg, - klar die dürfen sich am Fluss breit machen, und ich muss drumrum.


Das große Bayer Zeichen ist kaum zu erkennen, dafür ein Riesenschild: Lanxess. Wenn man den Wirtschaftsteil der Zeitungen nicht liest, bekommt man solche Dinge einfach nicht mit. Bayer Leverkusen gibt es eigentlich nicht mehr. Sie haben ihre Chemiesparte abgestoßen und ließen sie von Köln aus weiterlaufen - als Lanxess. 

Trotzdem musste ich ein paar Kilometer am Zaun von BAYER entlang, mir doch egal wie die Stinker jetzt heißen.

Dann wieder an den Rhein, und es wurde einfach nicht mehr kühler - kein Windhauch von nirgendwo her.

Die Pappeln werfen im Trocken-Hitze-Stress die Blätter ab. Die Radwege sehen wie im Herbst aus.


Kurz nach Leverkusen dann dieser Stein. Kann ich fast nicht glauben, dass es noch 215 Kilometer bis Holland sein soll. Man wird sehen.
 Und dann radle ich e n d l i c h - es ist zwar erst 15:00 Uhr in Düsseldorf ein. Die Kö entlang wie es sich gehört.


Und dann zu einer Unterkunft und unter die kalte Dusche!!

Inzwischen habe ich so meine Zweifel ob ich das "Hotel Alt-Düsseldorf" gut gewählt habe. Preisgünstig ist es ja. Aber mitten in der Düsseldorfer Partymeile.
Das wird heute ein heißer Tanz.
Die Düsseldorfer Altstadt ist der perfekt reglementierte Exzess. Schon um 17:00 sind Security und Ordnungsdienste hoch präsent. An jeder Ecke ein "Kiosk" der den Nachschub garantiert. Alles ist für das alltägliche Massenbesäufnis gerüstet. Die Fressgassen schon am Nachmittag gut besucht und die obligatorischen Junggesellen- und Brautfreundinnen schwanken schon hochangereichert und "seehr originell" verkleidet durch die Gassen.
Fenster zulassen wird heute Nacht nicht gehen. Und mit offenen Fenster liegt man direkt neben dem läängsten Tresen Deutschlands.
Während meiner ersten Stadterkundung sah es kurz so aus, als würde es zu einem Gewitter kommen. Aber
ausser einigem Gegrummel hat sich bisher nichts getan.


Wie sagte schon Hans Dieter Hüsch:
"Düsseldorf liegt am schönen Rheiheihein,
auch Heine wollte dort geboren sein..."

mein Hotel liegt nur wenige Schritte vom Heinrich-Heine-Platz weg.

So jetzt mische ich mich noch ein wenig unter das Partyvolk - 

"If you can´t beat them - join them!!"

Aber Halt: Habe ich gestern schon vergessen, auf der Fahrt nach Köln rein, habe ich einige Szenen beobachtet, die darf ich Euch nicht vorenthalten.
Das ist Stoff für richtig schlechte Horrorfilme:


Die "Strände" vor Köln sind voll von Nilgänsen. Die wenigen "Badegäste" scheinen sie zu ignorieren.
Die Nilgänse rücken immer näher:


Der Mann legt sich hin. Die Nilgänse rücken noch näher. Sie stehen um ihn herum. Als könnten sie sich keinen Reim auf dieses Verhalten machen. Er scheint ja noch zu leben, und Essbares hat er auch nicht dabei! "Den behalten wir im Auge!!"

Und wir sehen uns Morgen!
Na dann Proost näch!


Sorry Martin! Kaum aus den Augen, verrät er schnöde das lecker Kölsch und trinkt sein erstes Alt.

Mittwoch, 25. Juli 2018

8. Ruhetag in Köln


Ausschlafen, Wäsche waschen, Ausruhen.
Aber ein wenig Kultur möchte schon sein. Martin hat mich an die S-Bahn Station Porz(Rhein) gefahren und ich bin mit dem Zug direkt an den Kölner Dom. Nirgendwo kann man so gut mit dem Zug zur (in die) Kirche fahren.



Und der Dom ist ja auch immer einen Besuch wert.


Der Dom ist ja eine Dauerbaustelle. Diese Figuren sind "neu" - und das Gesicht kommt mir überhaupt nicht mehr "gotisch" vor. Seltsam, auch das andere hat etwas ganz eigenes


Diese breite Nase passt so gar nicht zu den anderen Figuren an diesem Seiteneingang. Erinnert mich an den  Stil der 50er Jahre?



Der Kölner Dom in permanenter Veränderung.


Ich will mal wieder in die Sammlung Ludwig, gleich hinter dem Dom. 


Das Gebäude selbst ist noch immer sehenswert. Und die Sammlung ist so riesig, dass man immer wieder neue "Ausstellungen" zu sehen bekommt. Die "Klassiker" der Pop-Art sind natürlich immer dabei,


Und das mobile Kriegerdenkmal hat nichts von seiner Brisanz verloren!

Die Sonderausstellung ist "die erste umfassende Überblicksausstellung" von Haegue Yang. Von ihr haben wir im Frühjahr schon einiges in Hamburg gesehen, aber diese Ausstellung ist wirklich beeindruckend.


Ich liebe ihre hardware store Installationen. Kunst aus dem Baumarkt. Alle Materialen stammen aus Baumärkten - da habe ich sehr große Sympathien für!

Aber allzu lange macht es heute keinen Spaß sich in der Stadt aufzuhalten. Es zieht mich zurück in den Garten von Zürndorf. Schließlich ist heute Ruhetag.

Und ich muss ja noch den Kölnbezug mit dem Holländer Michel herstellen.

Dass die Sagengestalt des Holländer Michels als riesiger Kerl mit breiten Schultern und enormer Kraft dargestellt wird - könnte auf einen realen "Sagenkern" hindeuten. Der war so stark, dass er sogar mehr Stämme als andere in seine Flosse einband.

"Der Michel war ein Arbeiter, wie selbigen Holzherr noch keine gehabt.. Und so war es; der Floß mit dem er ab gehen sollte hatte 8 Glaich (Glieder) und waren im letzten von den größten Zimmerbalken. Am Abend zuvor bringt der lange Michel noch 8 Balken ans Wasser, so dick und lang als man keine je sah..."
Der Holzherr gab den Auftrag das Holz nach Köln zu bringen. Aber der Holländer Michel sah das anders:
".. So waren sie die Hälfte der Zeit, die man sonst brauchte, nach Köln am Rhein gekommen,


wo sie sonst ihre Ladung verkauft hatten, aber hier sprach Michel: "Ihr seid mir denn, die Kölner brauchen all dies Holz, das aus dem Schwarzwald kommt für sich? Nein, um den halben Wert kaufen sie es Euch ab und verhandeln es teuer nach Holland. Lasset uns die kleinen Balken hier verkaufen und mit den großen nach Holland gehen; was wir über gewöhnlichen Preis erzielen ist unser Profit! So sprach der arglistige Michel.."

Michel leitete das Boot und brachte sie schnell nach Rotterdam.. wo die Stämme zum vierfachen Preis verkauft wurden, ... den braven Mann aber, der ihnen abgeraten hatte, verkaufte der Holländer-Michel an einen Seelenverkäufer. Von da an war Holland im Schwarzwald das Paradies.

Der Holländer Michel war von da an verschwunden. Aber er spukt noch immer. Er sucht in Sturmnächten die schönsten Stämme aus, bricht sie und schenkt sie denjenigen, "welche vom Rechten" sich abwenden und zu ihm gehen um Mitternacht.Bringen sie dann die G´stair ins Wasser, und er rudert mit ihnen nach Holland.
"Aber wäre ich Herr und König in Holland, ich ließe ihn mit Kartätschen in den Boden schmettern; denn alle Schiffe, die von dem Holländer-Michel auch nur einen Balken haben, müssen untergehen..sooft der Holländer-Michel in einer Sturmnacht eine Tanne fällt, springt eine seiner alten aus den Fugen des Schiffes; das Wasser dringt ein, und das Schiff ist mit Mann und und Maus verloren..."
Ist es nicht erstaunlich wie hellsichtig Hauff schon um diese Zeit erkannt hat, wie Kapitalismus funktioniert. Wie man die Wertschöpfungskette aufrecht erhalten muss, und wie die "Sollbruchstellen" für stetige Nachfrage sorgen?
Romantik mit "Weltflucht" gleichzusetzen, trifft nicht alle Facetten dieser Epoche!!

Aber erst einmal Schluss mit dem Holländer Michel. Morgen geht es weiter, ich komme dann an Mühlheim vorbei, wo die Stapelplätze gewesen zu sein scheinen, und mache mich weiter auf den Weg ins "Paradies der Schwarzwälder"

Liebe Ana Astrid, lieber Martin! Lieber Oetker-Clan, habt ganz herzlichen Dank. Ihr habt mich, so herzlich aufgenommen, so toll bewirtet, dass es mir schwer fallen wird, wieder in "normalen" Bed&Breakfast  Unterkünften abzusteigen.
Das war war ein Fünfsterne Aufenthalt! Danke!!

24.Tag: Wieder zurück!! Wie versprochen, melde ich mich noch einmal, um Euch von meiner abenteuerlichen Rückreise zu berichten! ...