15. Tag: Von Hoek van Holland über Den Haag nach Leiden
Wie war noch einmal der 10 von 10 Punkten Tag?
Frühstück vom Feinsten √ √ √
Wind von Westen - Fahrtrichtung Ost √ √ √
Sonne aber nicht heiß √ √ √
Kurzetappe - aktiver Ruhetag √ √ √
Tai Chi am Strand √ √ √
neue Luft in den Reifen √ √ √
ein neuer Haarschnitt √ √ √
Interessantes Sightseeingprogramm per Rad √ √ √
Super Fahrrad- Highways √ √ √
Rond Faart mit Boot √ √ √
Was diesen 10 von 10 Tag noch hätte toppen können: Wenn ich Friederike beim Schwimmen im Meer hätte zuschauen können!!
Aber 11 von 10 ist schon etwas vermessen, oder?
Aber von Anfang an:
Liebe Hollanders ich muss Euch Abbitte leisten. Ihr könnt doch "Frühstück". Heute habe ich das absolut beste Frühstück bekommen. Perfekt, alles serviert, nicht vom Buffet. Pilz Omelett, Käsetoast frisch gemacht, Obst, lecker Kaffee und ein gut gelaunter Host. Besser geht nicht.
Hotel Noordzee kann man empfehlen.
Der perfekte Start in einen superschönen Tag. Endlich fahre ich in östliche Richtung- und habe den Wind im Rücken.
Mit meinem roten Kanada-Trikot grüßen mich alle Menschen doppelt so freundlich.
Nicht weit hinter Hoek, der perfekte Strand für Tai Chi.
9:00 morgens menschenleer. Im Hintergrund sieht man die Ölhafenanlagen - aber da schaut man einfach in die andere Richtung
Es dauert ziemlich lange, bis die ersten Badegäsgte eintrudeln, so gegen 9:30 kommen die mit kleinen Kindern, die nicht länger schlafen durften, und junge Damen, um noch einen Strandritt zu machen ehe es voll wird.
Gravensande ist schön am Morgen. Wie es hier am Nachmittag aussieht, werde ich nie erfahren.
Die Radwege entlang der Küste sind wirklich vom Feinsten.
Die Beschilderung spricht Klartext und stimmt.
Albert hat das Lob gut getan.
Den Haag ist knapp 20 km von Hoek entfernt. Erster Programmpunkt der heutigen Etappe. Doch halt! Seit Tagen versuche ich meine "üppige Mähne" loszuwerden. In einem Vorort von Den Haag komme ich an einer Moschee vorbei. Keine Frage, hier gibt es auch meine Lieblings- "Kapper". Und tatsächlich, der Salon von Aziz hat schon auf. Ich komme gleich dran. Was für ein Spektakel!
Zuerst Kaffee und Wasser.
Wie man mit meiner Lockenpracht eine 1/2 Stunde verbringen kann, wird mir ein Rätsel bleiben. Aber er zieht die Maschine über meinen Kopf, wechselt den Scherkopf, - dass er wie ein Cowboy die Maschine um den Finger kreisen lässt fehlt, aber sonst jeder Handgriff sitzt, ein perfekte Choreografie von Bewegungen, die Kompetenz signalisieren. Kein Härchen entgeht seinem gestrengen Blick, nicht auf, nicht in den, nicht um die Ohren. Augenbrauen, Bart, mit Pinzette, Seidenfaden oder Maschine.
Ich habe großen Respekt vor Menschen, die Ihr Handwerk verstehen und mögen, was sie tun.
Danke Aziz !!
Mit erleichtertem Kopf und gut duftend beginne ich meine Erkundung von Den Haag.
Die Gassen der Altstadt unterscheiden sich nicht viel von anderen historischen Stadtkernen, nur dass man sich hier mehr beobachtet fühlt. Es gibt von Allem etwas, Renaissance, Backsteingotik, Historismus, Jugendstil, Brutalismus, Art Deco... you name it they´ve got it.
An diesem Vormittag herrscht hier eine sehr entspannte Stimmung.
Die Grote Kerk ist wirklich groß. Kirche allerdings nur noch an Weihnachten und Ostern, oder wenn jemand sehr wichtiges oder sehr zahlungskräftiges, getauft oder vermählt werden soll.
Ich spare mir die Liste, wer vom holländischen Königshaus hier Zeremonien gehabt hat. Was ich sehr spannend fand, ist die Raumerfahrung, wenn eine Kirche nicht mit Bänken vollgestellt ist. Die Bilder der Holländischen Maler, die die Zentralperspektive in Kirchen ausprobiert haben, sind sofort "da" gewesen.
Gegenüber das alte Rathaus. Dann suche ich den "Regierungssitz" der Niederlande. Und bin äußerst überrascht.
Wenn das nicht protestantisches Understatement ist.
Links eine Kammer
und
rechts, die zweite. Völlig unspektakulär. Besichtigung ist heute leider nicht möglich.
Hier tagen seit 1446 niederländische Parlamente. Der Binnenhof ist in Teilen älter.
Das ist keine Kirche, sonder der Rittersaal. Bekannter ist diese Seite des Binnenhofes.
Hinter dem Parlament das berühmte
Mauritzhuis. Die Ausstellung über Rogier van der Weyden interessiert mich sehr, und natürlich auch das Mädchen mit dem Perlenohrring. Ich rede ein wenig mit den beiden Security Männern am Eingang. Nein, sie haben keine Ahnung wo man das Fahrrad - mit den Taschen! sicher unterbringen kann. Der Fahrradparkplatz mit Häuschen ist heute nicht besetzt. Der Typ in der Tiefgarage ist sauer - nein nur für Autos.
Die Sicherheitsjungs meinten, ich könne ja versuchen ob ich die Taschen im Hauptbahnhof einschließen kann. Alle Schließfächer sind belegt- d.h. diejenigen, die groß genug sind für die Taschen. Und auch die Fahrradgaragen - alle belegt.
Am Hauptbahnhof gibt es ein mehrstöckiges Fahrradparkhaus! Abgefahren! Und trotzdem zu klein.
Das mir diese Ausstellung durch die Lappen geht, nervt. Aber die Taschen mit ins Museum nehmen, wollten die Jungs am Eingang auch nicht gestatten, weil die Schließfächer zu klein seien!
Dann mache ich halt weiter Fahrrad-Sightseeing!
Im Innenstadtbereich überall Ministerien, das ist die Wetterfahne des Justizministers. Der Meister da oben, streicht sie neu. Aber entweder kommt die Hebebühne nicht höher, oder er stellt sich besonders dämlich an, der Farbtopf steht auf dem Boden und er muss sich jedesmal gewaltig strecken, um an die Wetterfahne zu kommen. Das wirkt nicht wirklich professionell, wahrscheinlich läuft ihm die Hälfte der Farbe in den Ärmel. Ich hätte sie halt abmontiert und in der Werkstatt schön restauriert. Aber mich frägt (ja Martin, in "unserem" Deutsch heißt das frägt, und mittelhochdeutsch hieß das auch schon vrägt) mal wieder keiner!
Dann wird es Zeit sich nach Leiden auf den Weg zu machen. Ein Klacks, mit Rückenwind!!
Mein Hotel Mayflower ist direkt an der Anlegestelle für die Stadtrundfahrten per Boot. Da kann man doch nicht nein sagen. Außerdem gibt es noch eine um 15:00 Uhr, Zeit genug um sich stadtfein zu machen.
Ich weiß, der Witz ist alt, aber John und ich, wir beiden "old farts" können über Schilder wie diese immer noch herzlich lachen
"Ok - let´s try"
Leiden ist eine tolle Stadt. Die älteste Universätsstadt der Niederlande. Damit gehört sie aber insgesamt nicht zu den wirklich alten Unis. Sogar die von Peru und Mexico City sind älter! Aber heute ist sie sicher eine der renommiertesten. Der Stadt tut die Uni gut, viele junge Leute, nette Kneipen, eine quirlige Innenstadt. Und ich verschaffe mir mit einer
RONDFAART einen Überblick.
Schöne Ecken, auf dem ganzen Weg. Da bei der Zugbrücke links ist das Geburtshaus von meinem sehr verehrten Hermann,
Ich liebe dieses Selbstportrait von ihm!
Die Mühle auf dem oberen Bild ist übrigens die Nachbildung der Mühle seines Vaters, der an dieser Stelle seine Mühle hatte.
Die Rundfahrt lohnt sich wirklich. Man muss ja nicht unbedingt hinhören, wenn ständig vom "ältesten Botanischen Garten"- dem ältesten Planetarium (das an der Stelle des neuen einmal gestanden hat)- ohne das Wort "älteste" mindestens 5 mal untergebracht zu haben ist es weltweit keine gute Führung gewesen - aber Bootle fahren ist immer schön
Die Wasserwege und Kanäle in Leiden sind komplett belegt mit Wohnbooten. Man kauft ein Schrottschiff völlig überteuert, damit man einen Liegeplatz bekommt. Am Grab von van Goghs Mutter - d.h. dem Friedhof sind wir übrigens auch vorbei gekommen. Und Teile der Wasserwege heißen hier auf einmal wieder Alter und neuer Rhein, - da staune ich.
Nach der - doch etwas heißen Bootsfahrt, wäre ein kühles Bier gerade recht. In einer kleinen Craftbrauerei unterhalte ich mich nett mit einer jungen Dame, die sich gut auskennt. Ich bestelle was sie mir empfiehlt. Wasn Fehler, das ist Starkbier von der heftigeren Sorte, und das bei über 30°. Als ich ihr sage, dass ich das für kein leichtes Sommerbier halte, lacht sie und entschuldigt sich. Es ist halt ihr Lieblingsbier. So wird das nichts mit einer Verköstigung der anderen Biere.
Auf dem Weg zum Hotel muss ich mir natürlich noch meine 11 Uhr Banane für Morgen kaufen. In dem kleinen Obstladen in einer Seitenstraße ist die Registrierkasse außer Betrieb, man kann nur mit Kreditkarte bezahlen. Ich zeige ihm meine Banane und ziehe Schulter hoch und zeige fragend auf die Kreditkarte, Hamid lacht und schenkt mir die Banane!
So wird der heute Tag doch noch 11 von 10 Punkte Tag, auch wenn ich leider Friederike nicht "beim Bade" im Meer beobachten konnte.
Wir sehen uns Morgen!
Und Kirsten und Carsten sogar in echt!
Bleibt mir gewogen.


















Ein unglaublich amüsanter und interessanter Schreibstil. Einfach cool 👍
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