19. Tag: Von Amersfoord nach Zevenaar
Wieder einmal Partymeile unter meinem Hotelzimmer. Der ganze Marktplatz war heute Nacht voll.
Die Holländer sind tatsächlich "feier beasts" wie ein berühmter Trainer einmal meinte. Ich habe mir gestern Abend schon so etwas gedacht. Eine Bar an der Ecke des Marktplatzes war ganz auf "Gay Pride" eingestellt.
Aber es hat mich nicht sonderlich gestört. Denn dieses Mal war die Klimaanlage in der Tat von Vorteil.
Am Morgen alles wieder harmlos und friedlich, obwohl die Reinigungsmaschinen um 6:00 nicht ganz ohne waren.
Amersfoord an einem Sonntag Morgen. Nach einer solchen Party, kein Wunder,- niemand auf den Straßen
Tschüss! Hier hat es mir wirklich sehr gut gefallen. Das ist ein Turm der äußeren Stadtmauer, die noch über weite Strecken gut erhalten ist- oder rekonstruiert wurde.
Der Morgen ist erstaunlich "frisch" (nur 24°), die Windrichtung stimmt.
Ich komme flott voran, und die Kanäle und Flüsse gehen in die richtige Richtung Ich bin gar nicht so weit entfernt, von der Strecke, die ich im "Raufweg" gewählt habe.
Ich weiß, alter Streitpunkt mit unseren Norddeutschen Freunden. Die fahren zu uns "rauf" - weil sie meinen, wir wohnen in den Bergen. Und wir fahren immer die Karte rauf - was nicht minder blödsinnig ist. Aber der Norpol ist nun mal oben auf der Kugel...
Fangt jetzt nicht mit oben und unten im Weltall an!!!
Das Gras legt sich in die richtige Richtung. So kann man endlich einen guten Schnitt halten.
Die Spuren des Krieges sind wieder häufiger. Wie es scheint komme ich näher an die Grenze zu Deutschland.
Hier hat jemand Hunde gern. Oder hat er eine eigene Meute für die Fuchsjagd? Das sind bestimmt 50. Da gebe ich dem Fuchs wenig Chancen.
Und dem Hasen erst recht keine.
Auf einer Karte sehe ich, dass ich gar nicht so weit entfernt von Wageningen bin, wo Till seinen Master gemacht hat. Die Windrichtung ist genau richtig und das Sträßchen traumhaft, also, warum nicht einen kleinen Schlenker machen.
Ich erinnere mich ganz gut an Wageningen. Doch dort angekommen, finde ich natürlich nichts auf Anhieb. Weder die Uni, noch Tills Wohnheim. Es ist inzwischen heiß, also lasse ich Albert wieder bestimmen, wo es lang gehen soll.
Durchs sonntagmittäglichverschlafene Wageningen bin ich durchgekommen, an manche Ecken erinnere ich mich. Auch an den Damm hinter den Häusern, da sind wir entlang spaziert und haben auch den Schornstein gesehen.
Aber dann sagt Albert links raus und zur Fähre! Zur Fähre? Ich will nicht zurück über den Rhein, nicht Richtung Millingen!!
Dieser Arm bei Wageningen heißt, Nederrijn. Also bin ich nicht bis zur Waal zurückgekehrt
Die wievielte Fähre ist das inzwischen? Ich habe aufgehört zu zählen. Aber sie hat eine Besonderheit, die man nicht mehr so oft sieht. Sie läuft über eine Kette am Grund des Flusses. Die Strömung trägt zum Vortrieb bei, wenn man das Schiff im richtigen Winkel anstellt. So braucht man den Motor eigentlich nur zum Steuern beim Anlanden und Ablegen.
Warum wird das nicht mehr so häufig genutzt?
Dann geht es weiter nach Arnheim. Es ist inzwischen wieder bratpfannenmäßig heiß, so dass ich keine Lust habe nach der berühmten Brücke zu suchen. In Erinnerung ist diese Episode des II. Weltkrieges vermutllich hauptsächlich wegen des Films- und nicht wegen der gigantischen Idiotien, die dort seitens der Kriegsbeteiligten abgezogen wurden.
Das ist Huissen. Und der Kirchturm gehört zu "Unseren lieben Frau". Huissen hat mal zu Kleve gehört. Ich bin wirklich ganz nahe an der Stelle, an der ich vor einer Woche schon mal vorbei geradelt bin.
Moment mal? Vor einer Woche? Kann das sein? Augenblick! Tatsache. Letzten Samstag war ich in Millingen. Was für eine ereignisreiche Woche!
Also, Kleve ging nach Napoleon verschütt und Huissen kam zu den Niederlanden. Blieb aber katholisch. Weshalb man in Holland, zumindest in Huissen Karneval feiert.
Während des II. Weltkrieges wurde Huissen zweimal zerbombt. Einmal von den Deutschen, dann noch einmal von den Alliierten, so dass niemand mehr da war, der hätte "befreit" werden können. Das sieht man dem Städtchen heute noch an.
Gleich hinter Huissen, noch einmal eine Fähre über den Niederrhein. Ich vermute mal, das wird die letzte sein, auf dieser Reise.
Auf den ersten Blick, eine ganz normale Fähre. Doch auch sie hat ein Besonderheit, die ich erst einmal anderswo - wenn ich mich Recht erinnere an der Elbe, gesehen habe. Auch sie nützt die Strömung. Aber nicht mittels Grundkette sondern durch Boote, die in der Flussmitte verankert sind.
Wenn man genau hinschaut, sieht man im oberen Bild das Seil, das zu dem ersten der 3 Boote führt. Dieses Boot ist praktisch der Drehpunkt. Die Strömung will das Boot nach unten treiben, die verankerten Boote stellen sich automatisch dagegen und lassen die Fähre, wie einen Drachen zum anderen Ufer gleiten. Wie die 3 Boote sich synchron bewegen, ohne dass sie jemand steuert sieht abgefahren aus. Auch hier könnte man theoretisch ohne zusätzliche Motorkraft übersetzen, für das An- und Ablegen hat die Fähre aber schon einen Motor. Die Fähre an der Elbe ist viel kleiner und braucht, glaube ich keine Motorkraft.
Als ich meine heutige Unterkunft in Zevenaar gebucht habe Fiel mir der Name "Panoven" nicht sonderlich auf. Als ich jedoch heute Nachmittag in die Anlage "Panoven" außerhalb der Stadt einlief,
war mir einiges klar.
Das es nicht "Meine Herren" (tschechisch) heißen kann, logisch. Pan - klar "Pfannen" - Dachpfannen, Dachziegel und Oven ist auch klar.
Ich werde heute in einer ehemaligen Ziegelei übernachten. Das ist schön. So gefällt es dem Volkskundler. Nicht ein Museum besuchen, sondern in einer historischen Stätte übernachten.
Mit dem jungen Mann, der die riesige Anlage managt verstehe ich mich von Anfang an gut. Zwar hatte er heute bis heute Morgen eine große Gruppe zu beköstigen, die ist aber abgereist, und der Koch ist auch nach Hause gegangen. Aber für mich macht er noch ein Abendessen - aus den "Resten". Es gibt: Tomatensuppe - sehr lecker. Hamburger mit Pilzrisotto und Rucolasalat mit Schafskäse. Hört sich sehr schräg an, schmeckte aber super.
Der junge Mann ist noch sehr unkonventionell in seinem Geschäft. Er erzählt mir, dass sein Vater vor 3 Wochen gestorben ist. Er studiert eigentlich noch an der Hotelfachschule in Mechelen und ist nur jetzt in den Ferien hier um seiner Mutter zu helfen.
Sein Vater hatte die Ziegelei noch betrieben. Zuerst wurden tatsächlich hauptsächlich Dachziegel produziert, dann mehr und mehr Backsteine.
Sein Vater hat bis 1982 Ziegel gebrannt, dann wurde der Betrieb langsam zu einem Hotel- und Gaststättenbetrieb umgebaut. Wobei, die alten Einrichtungen und Gebäude alle erhalten geblieben sind. Das ist zum Beispiel ein Tagungsraum oder für Feiern. Früher wurden da Ziegel getrocknet, bevor sie gebrannt werden konnten.
Das ist das Herzstück der Ziegelei. Der Brennofen. Man hat den Eindruck, da ist nur Pause zwischen zwei Beschickungen. Alles ist noch da, vieles liegt einfach nur herum. Das ist wunderbar gemacht. Beziehungsweise nicht gemacht, sondern belassen. Das gefällt mir ausnehmend gut.
Hier konnten ganz schön viel Ziegel gebrannt werden.
Das ist der Großvater meines Gastgebers.
Das sind die Modeln für die Ziegel. Die Tongrube ist gerade über den Weg.
Das ist meine heute Unterkunft. Ich habe eine etwas größere Hütte bekommen, damit ich mein Fahrrad mit rein nehmen kann.
Ich fühle mich sehr wohl op Buitengoed de Panoven.
Und so ruhig, war es seit Stayokay in den Dordrechter Sümpfen nicht.
Ach ja. Der eine oder andere wird sich gefragt haben, wie denn der Hackerangriff auf meinen Bierverstand seitens des H***-Konzerns ausgegangen ist. Ich habe die Umprogrammierung durch eine Gegenprogrammierung einigermaßen in den Griff bekommen. Toi,toi,toi.
Wann immer, aus den Tiefen meines Unterbewußtseins der Name H**, wie die wunderbaren Kohlensäurebläschen aus der goldgelben Flüssigkeit nach oben steigen, um in eine Schaumkrone zu münden, wann immer, sich der Name
Hein Hein Hein - zu formieren beginnt - knalle ich ihm Blöd - entgegen.
Und siehe da, mit Hein Blöd vor Augen, ist der Spuk verschwunden. Wie war noch mal der andere Name?
Bis jetzt funktioniert meine NLP ganz hervorragend. Hein Blöd, Hein Blöd, Hein Blöd.....
Schaut Morgen wieder vorbei!!
Bis dann






















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