Mittwoch, 18. Juli 2018





1.Tag: Von Offenburg nach Rastatt


"..und es ist Sommer!!" - und ich bin wieder unterwegs! Ein wunderschöner Tag, allerdings knackig warm, da konnte ich dem kräftigen Gegenwind nicht einmal böse sein.
Aber von Anfang an.


Ganz gemütlich eingestiegen, 10:16 Engen- Offenburg, großer Bahnhof!! Mom mit Rollator stand am Bahnsteig, um mich zu verabschieden!  Das war richtig rührend!

Dann tiefenentspannt durch den Schwarzwald. 





Der Holländer-Michel lässt mich heute nicht los. Solche Stämme wurden tatsächlich noch bis zum 1.Weltkrieg auch über Kinzig und Murg nach Holland transportiert. Aber zum Holländer-Michel kommen wir später.
In Offenburg angekommen, ist erst einmal Schluss mit "Romantik". Friederike wäre wahrscheinlich schnurstracks zurück zum Bahnhof gefahren. Das romantischste  (einmal bitte laut aussprechen! Das Wort leihe ich der Polizei für Alkoholkontrollen) auf den ersten 15 Kilometern war der "Dachdeckerbedarf - Süd",  die zentrale Zollabfertigung, der Baumaschinen-Verleih und "Naturprodukte-Scheuermann", sonst Kiesgruben, Kieslaster, Kies. 
Das wirklich beunruhigende jedoch war, dass die Berge- der Schwarzwald, immer wieder auf der "falschen Seite" auftauchen.

 Ich will nach Holland!! Da hat der Schwarzwald gefälligst auf der rechten Seite zu sein!! Ich  traue dem Teasi - seit England - noch immer nicht so recht über den Weg. Wohin lenkt er mich? Wenn ich Richtung Kehl fahre, dann müsste der Schwarzwald doch hinter mir sein - aber nicht LINKS VON MIR!! Meine Bikeline Karten helfen mir auch nicht weiter, denn die zeigen nur einen schmalen Streifen links und rechts des Rheines, und den habe ich heute den ganzen Tag nicht gesehen!!
Aber irgendwann dreht - irgendjemand - gnädigerweise die Kulisse und die Berge stehen rechts -
UND DER WIND BLÄST MIR SEHR KRÄFTIG VON HOLLAND HER INS GESICHT.

Was soll denn das! 

t

Schnurgerade Straßen, kilometerlang und ich schleiche mit 12/13km/h durch die menschenleere Rheinebene.
Es gibt ja schon diverse Reiseformate. "Wildes Deutschland", "Romantisches Deutschland", "leckeres Deutschland" - aber ab heute werde ich ein neues Format hinzufügen: "Leeres Deutschland". Kilometer lang nichts. NICHTS. Kein Verkehr, keine Menschen, keine Cafes, Nichts.- Nur Gegenwind. Dass Deutschland so leer sein kann, hätte ich nicht gedacht.



Doch dann kam:


In Muckenschopf habe ich zwar auch niemand getroffen, - zum Glück auch keine Mucken - aber dafür war das Dorf unglaublich schön.


Ein Fachwerkhaus, ein Bauerngarten am anderen


Ich bin völlig baff.
Und anscheinend fühlen sich die Menschen, die anscheinend hier leben auch noch wohl, 





Ich habe sie zwar nicht gesehen, die Dorfkinder, aber ich bin mir sicher, es geht ihnen gut.
Auch die nächsten Dörfer, im "leeren Deutschland" - wären auf Friederikes Skala für romantisches Radeln ganz weit oben gelandet.


Das ist übrigens die Acher. Und hinten ist die ehemalige Schuhfabrik "Hopsa-Schuhe". Wirklich schade, dass es Hopsa Schuhe nicht mehr gibt, beziehungsweise, dass ich nicht einmal geahnt habe, dass es "Hopsa Schuhe" einmal gegeben hat. Man könnte ins Philosophieren kommen. Täglich sterben Käfer, Pflanzen, Amöben, Schnecken, Schuhfabriken aus, von denen man nie gewusst hat, dass es sie einmal gegeben hat. Seufz!



Das "leere Deutschland" hat manchmal einen mediterranen Touch, manchmal ahnt man, dass hier Hundertschaften von Erntehelfern (wir verkneifen uns landsmannschaftliche Zuordnungen) vor kurzem noch Spargel gestochen haben, - 



Leise vor mich hin philosophierend, erreiche ich Rastatt, - die "Barockstadt". Und gleich hinter den Fahnen am Ortseingang, die mir das verkünden, sehe ich auch schon das erste Barockbauwerk:



Ich hoffe nur, dass die Biergarnituren in Hintergrund nicht zum Feiern da stehen, sondern für ernsthafte "Fortbildungsveranstaltungen" verwendet werden.

Meine heutige Unterkunft liegt - Holländer-Michel gerecht, direkt an der Murg.


Das lässt hoffen, dass ich Morgen - so wie mir das liegt - erst einmal an der Murg entlang zum Rhein radle und dann Richtung Norden.
Das Rastatter Schloss habe ich mir natürlich auch angeschaut - von aussen



Für das Museum der deutschen Freiheitsbewegungen bin ich leider zu spät dran. Es hat schon um 17:00 Uhr zu gemacht und bis 9:30 Morgen werde ich auch nicht warten!
Wobei mich heute beim kontemplativen Radeln ein Frage sehr bewegt hat, die ich hier vielleicht (aber wahrscheinlich eher nicht) beantwortet bekommen hätte.
Nämlich, was haben Friedrich Hecker und der Holländer Michel gemeinsam - und vor allem warum???


      

Na seht Ihr es? Nicht? Ok, dann zitiere ich mal das Heckerlied!

"Seht da steht der rote Hecker,
eine Feder auf dem Hut,
seht da steht der Volkserwecker,
lechzend nach Tyrannenblut,
Wasserstiefel, dicke Sohlen,
Säbel trägt er und Pistolen ...

Wasserstiefel!!! Und vom Holländer-Michel wird berichtet, dass ein normaler Mann, seine "Wasserstiefel" nicht mal anheben konnte. Beim Holländer Michel macht das Sinn, denn der
"sprang flugs ins 3-4 Fuß tiefe Wasser und zog und druckte das Floss um Biegungen und Sandbänke..."


Aber warum brauchte der Hecker, Friedrich Wasserstiefel, - von Konstanz, über Engen durch den Schwarzwald, 
"bis hernach ins Wiesental..."
waren die Kloben doch eher hinderlich.

Hausaufgabe bis Morgen:

"Warum hat Friedrich Hecker Wasserstiefel getragen" - Und was sollen wir daraus schließen?

Ich höre von Euch! Bis Morgen 




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