3.Tag: von Speyer nach Worms
Die Kaiserdome also: Speyer, Worms und Mainz.
Speyer ist sicher der Monumentalste. Und so sah ich ihn heute Morgen von meinem Zimmerfenster aus.
Die Leute vom "Halbmond" sind wirklich super nett.
ABER: WAS ICH MIR MERKEN MUSS!
Leber mit Apfel und viel gerösteten Zwiebeln ist extrem lecker, aber die Folgen sind nicht radtauglich!!
Auch wenn es heute gleich um 9:OO Uhr knackig heiß ist, die heutige Strecke kann ich entspannt angehen! Keine 50 km - habe ich mir ausgerechnet!
Und es ist heute zum ersten Mal eine Rheinfahrt, die den Namen verdient. Teils direkt am Fluss,
teils in schattigen Auwäldern
Teils an Altrheinarmen, teils an kleinen Seen entlang.
In Altrip habe ich viel über die "Rheinkorrekturen" gelernt. Bei Altrip hat Tulla den letzten Durchstich 1867 gemacht. Die weiteren hat man dann nicht mehr durchgeführt. Die Altriper scheinen nicht so 100%ig überzeugt zu sein, von dem Segen dieser Begradigung. Auf einem der Schilder steht, dass jetzt das Hochwasser von Basel in 68 Stunden in Altrip ist, dass nach der Begradigung bis heute endlos Überschwemmungsgebiete bebaut und zu betoniert wurden, so dass die Dämme ständig höher werden mussten. Der Altriper Bauhof ist auf Hochwasser jederzeit eingestellt.
Und dann die Sensation des Tages!! Gestern sagte André Greipel nach seiner Aufgabe in der Tour de France: "Ich bin noch nie mit dem Besenwagen ins Ziel gefahren - es gibt für Alles ein erstes Mal!"
Und so war es bei mir!! Keine Angst, ich habe nicht aufgegeben, ABER
ich bin heute zum ersten Mal und ohne Friederike, und freiwillig, -ja wirklich, ich bin im Wasser gewesen!
Sorry, dass ich Euch dieses Bild antun muss - aber das ist der Beweis. Ich war im wunderschönen, und sehr idyllischen "Waldsee". In den See daneben, der "Kuhunter" heißt, hätten mich keine 10 Pferde hineingebracht. Ob das im Endeffekt so eine gute Idee war, wird sich Morgen weisen. Auf allen Touren bislang hatte ich noch keine wunde Stelle - aber heute!!
Als ich aus dem Wasser komme, entdecke ich folgendes:
Ich wusste es doch!!! Auf der diesjährigen Tour ist noch nicht alles perfekt!
Klar, die 11:00 Banane!
Das soll nicht wieder passieren. Habe mir heute Abend in Horchheim, gleich eine bei Lidl besorgt!
Keine 3 km hinter meinem idyllischen Badesee war Schluss mit romantisch.
Ich nähere mich Ludwigshafen/Mannheim. Ob es wieder so ein Gegurke gibt, wie durch Karlsruhe?
Nach dieser Erfahrung habe ich beschlossen, keiner meiner 4 Informationsquellen allein Glauben zu schenke. Weder den Bikelinekarten, noch dem Teasi (formerly known as Albert), noch den Radwegausschilderungen, noch ortsansässigen Informanten- vor allem nicht 20 jährigen jungen Damen, die nicht die Spur einer Ahnung haben wo Worms liegt.
Und ich bin ganz gut damit gefahren.
Bikeline sagt: "Halte dich in Richtung Oggersheim", Die Schilder sagen, schon vor Ludwigshafen "Worms 28 km" und das Teasi will immer etwas anderes, findet aber dann den Weg den ich einschlage auch gut und gibt mir immer dann die richtigen Tipps, wenn es keine Schilder gibt.
Na also, geht doch!!!
Ich bin schon um 15:00 Uhr in Worms. Die Ferienwohnung Holl in Worms-Horchheim, am Weinberg, gibt an, ich könne erst um 18:00 in das Zimmer. Na, dann mal wieder Sightseeing im Radler-Outfit. War es auf der Strecke schon heiß, in der Stadt kocht der Asphalt. Der Wormser Dom feiert sein 1.000 jähriges Bestehen. Was natürlich Mumpitz ist. Von der Kirche die Bischof Burchard um 1018 gegründet haben soll ist nix, nada, nachweisbar. Der Beginn des Baues des heutigen Doms liegt über 100 Jahre später..
Bischof Buchard, segnet deshalb die Dauerbaustelle um den Dom!
Er weiß, dass man es mit den Jahrhunderten nicht so genau nehmen darf. Eigentlich hätte Worms die Bauzäune um den Dom längst weg haben sollen, denn die Jahrtausendfeierlichkeiten waren ja schon. Aber anders als andere Dauerbaustellen, kann man die Verzögerungen dieser Baustelle wenigstens verstehen. Frau Holl, meine Zimmerwirtin - und sehr beschlagene Fremdenführerin, erklärt mir später, dass man in Worms keine Schaufel in die Hand nehmen kann ohne, dass die Archäologen einem über die Schulter schauen. Dementsprechend haben sich die Bauarbeiten um den Dom gewaltig verzögert.
Es ist gar nicht so einfach an und in den Dom zu kommen. Dutzende hilflos umherirrende Touristen fragen mich nach dem Weg.
Aber wir schaffen es Alle:
Der Wormser Dom ist von den 3 Kaiserdomen der kleinste. Speyer ist von außen viel beeindruckender. Aber dafür hat mir der Wormser innen besser gefallen. Da gab es wenigstens was zu sehen.
Ok, einen gewaltiger Stilmischmasch, aber wenigstens nicht nur kahle Wände. Und die gotischen Reliefe, sind ganz große Kunst.
Am besten hat mir "Wurzel Jesse" gefallen, wie olle David daliegt und der Riesenbaum aus seiner Seite wächst!! Großes Bildprogramm. Da sind Marvel-Comics ein Dreck dagegen.!
Aber auch wie man diese Äste und Zweige und Blätter aus dem Stein klopfen kann!
In Worms gibt es immerhin auch noch romanische Steinmetzkunst, zwar nicht mehr im Original an der Fassade aber in den Kreuzgängen.
Fantastisch die Wormser Löwen und Bären!
Worms ist eine einzige Umleitung, - ein Glück, dass ich sie als Radler ignorieren kann.
Das Gelände der Nibelungen-Festspiele ist ebenfalls großräumig abgesperrt.
Ja richtig, Worms ist ja auch noch Nibelungenstadt. Wer es vergessen hatte, wird auf jedem Meter darauf gestoßen:
Und überall Drachen! Mach was, Siegfried!
Ok, Worms! Ein Kreis schließt sich, auf der Donaureise habe ich die Nibelungen ja begleitet. Hier hat der Plumquatsch also angefangen. Da war doch der Zickenkrieg zwischen Brunhilde und Krimhild, wer zuerst in die Kirche darf! Aber wo ist die Treppe? In meiner Phantasie habe ich mir immer einen Haupteingang mit großer Treppenflucht vorgestellt, so wie die Treppen in Schwäbisch Hall, wo sich die Damen in die Haare kamen. Aber die gibt es nicht!
Heute gibt es nur 2 Seiteneingänge. Da hätten die beiden gleichzeitig eintreten können! Ja, ich weiß schon es ging um etwas anderes. Der Siggi hätte die Brundhild halt nicht.. und schon gar nicht als Gunther, so was macht man einfach nicht!!
Aber wenn Ihr jetzt glaubt, dass ich nach so viel Nibelungen nicht mehr die Kurve zu meinem Holländer-Michel kriege, der täuscht sich gewaltig!
Ohne ein Stück aus dem "kalten Herz" gehen wir nicht ins Bett.
Und wo ist die Schnittstelle?
Genau: Hannes der Tanzbodenkönig! Einer der Anhänger des Holländer-Michels, die ihr Herz verkauft haben:
"..er habe unweit von Bingen im Rhein mit der Stechstange, womit die Flözer zuweilen nach den Fischen stechen, einen Pack mit Goldmünzen herausgefischt, und der Pack gehörte dem großen Nibelungenhort, der dort vergraben liegt."
Da staunt ihr, was?
Wir sehen uns Morgen!
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