2.Tag: Von Rastatt nach Speyer
Dass ich einmal Gegenwind als erfrischend begrüßen würde, das hätte ich nie für möglich gehalten. Dass es ein langer und heißer Tag werden würde, war mir heute Morgen klar, dass es aber ein so langer und ein so heißer werden würde.... Doch von Anfang an.
Eigentlich begann heute Morgen alles sehr entspannt und idyllisch. Mein Hotel direkt an der Murg, die Murg mündet in den Rhein. Also immer auf dem Damm am Rhein entlang - das war doch kein schlechter Plan - oder?
Aber das kenne ich ja schon von früheren Reisen, wenn der Tag zu perfekt beginnt, dann kommt irgendwann die Keule. Aber heute kam sie schon nach wenigen Kilometern. Von wegen der Murg entlang, von wegen am Rhein entlang, das Teasie ist im "unromantisch hochdrei" Modus. An die Murgmündung komme ich nicht -nur in das Dorf davor, dann will das Teasie, dass ich rechts abbiege.
Eigentlich begann heute Morgen alles sehr entspannt und idyllisch. Mein Hotel direkt an der Murg, die Murg mündet in den Rhein. Also immer auf dem Damm am Rhein entlang - das war doch kein schlechter Plan - oder?
Aber das kenne ich ja schon von früheren Reisen, wenn der Tag zu perfekt beginnt, dann kommt irgendwann die Keule. Aber heute kam sie schon nach wenigen Kilometern. Von wegen der Murg entlang, von wegen am Rhein entlang, das Teasie ist im "unromantisch hochdrei" Modus. An die Murgmündung komme ich nicht -nur in das Dorf davor, dann will das Teasie, dass ich rechts abbiege.
Das Flößerdorf an Murg und Rhein, musste ich aber auch nicht wirklich haben - Leerdeutschland und auch noch grundsaniert.
Ich folge also dem Teasi. Nach weiteren 10 Kilometern wird es mir zu blöd, da drüben zwischen den Bäumen muss doch irgendwo der Rhein sein, und wo der Rhein ist, gibt es Treidelpfade und Dammkronen zum Radeln. Ich pfeife auf das Teasi - und Bikeline hat mich heute komplett verraten. Zwischen Rastatt und Karlsruhe, passen die Kartenblätter so was von gar nicht zusammen, - Durmersheim* existiert bei Bikeline nicht, und genau hier, will ich unbedingt an den Rhein.
(* Inzwischen weiß ich aus Wikipedia: "Durmersheim ist eine 12 km südwestlich von Karlsruhe gelegene Gemeinde. Sie gehört zum Landkreis Rastatt und wird im örtlichen Dialekt, der eine Mischung aus südfränkischer und alemannischer Mundart ist, Durmersche genannt.")
mit folgendem Ergebnis
Ich stehe so was "auf dem Acker", mehr Acker geht nicht, andeutungsweise eine Traktorspur,- das war´s! Reumütig bitte ich das Teasi mich hier rauszuholen
Ich folge also dem Teasi. Nach weiteren 10 Kilometern wird es mir zu blöd, da drüben zwischen den Bäumen muss doch irgendwo der Rhein sein, und wo der Rhein ist, gibt es Treidelpfade und Dammkronen zum Radeln. Ich pfeife auf das Teasi - und Bikeline hat mich heute komplett verraten. Zwischen Rastatt und Karlsruhe, passen die Kartenblätter so was von gar nicht zusammen, - Durmersheim* existiert bei Bikeline nicht, und genau hier, will ich unbedingt an den Rhein.
(* Inzwischen weiß ich aus Wikipedia: "Durmersheim ist eine 12 km südwestlich von Karlsruhe gelegene Gemeinde. Sie gehört zum Landkreis Rastatt und wird im örtlichen Dialekt, der eine Mischung aus südfränkischer und alemannischer Mundart ist, Durmersche genannt.")
mit folgendem Ergebnis
Ich stehe so was "auf dem Acker", mehr Acker geht nicht, andeutungsweise eine Traktorspur,- das war´s! Reumütig bitte ich das Teasi mich hier rauszuholen
Wenn ich es nicht besser wüsste, dann kommt es mir so vor, als zeigte mir das Teasi mit höhnischer Genugtuung den Kringel von 5-6 km über Feldwege. Der Weg zum Rhein, war ein Satz mit x.
Also folge ich wieder brav der Teasiroute. Der Radweg ist ok, aber eben neben einer größeren Bundesstraße, in den Vororten von Karlsruhe "sogar" hinter einer Schallschutzmauer
Das ist Teasi-Romantik. Aber durch Karlsruhe Zentrum will ich auf keinen Fall. Ich habe inzwischen beschlossen, der rechten Rheinseite Adieu zu sagen und auf die linke Seite zu wechseln. Aber leichter gesagt als getan. Die Bikeline Karten funktionieren jetzt wieder, aber ich bin ganz schön ab vom Schuss.
Und um den Rheinhafen muss man auch noch kommen. Kennt ihr doch aus den Staumeldungen!!
Ein nettes Paar, das ich auf dem Radweg neben der Autobahn treffe, bestärkt mich in meinem Vorhaben. "Unbedingt über die linke Rheinseite Richtung Germersheim, Speyer fahren, wunderbare Radwege immer am Rhein entlang. Aber bis Wörth zieht sich der Radweg neben der autobahnähnlichen Bundesstraße. Dann die Rheinbrücke bei Wörth
Und endlich der Rhein. Die Brücke ist der reinste Wackelpudding, sie schwankt und vibriert extrem. Knapp 80.000 Autos und Laster pro Tag! Und dann noch 6 Kilometer bis Wörth.
ABER DANN:
Alles gut, die Welt wird wieder grün. Die Radwege sind am Rhein - allerdings ist der Auwald dazwischen. Im Vereinsheim der "Vogelzüchter-und Wildvogelliebhaber Wörth" mache ich Pause, traue mich aber kein Foto zu machen - wilde Gesellen - und die Wirtin meckert in einem fort. Aber den Jungs gefällt´s.
Auf der Strecke vor Karlsruhe gibt es Orte wie Muggensturm, Muggenschopf, Muggenau, Muggendorf... und ich dachte bei mir, da muss es früher nicht sehr gemütlich gewesen sein. Doch jetzt in den Rheinauen merke ich, dass die Namen durchaus ihre Berechtigung haben. So weit ich meinen Rücken überblicke haben mich heute, 14 Schnaken durch das Trikot gestochen!!
Inzwischen ist es 14:00 Uhr, es ist drückend heiß der Gegenwind hat nachgelassen, auf dem Damm kein Schatten. Es wird zäh.
Die Altrheinarme laden nicht wirklich zum Bade.
An einem alten Schleusenhäuschen ist eine Bank im Schatten - Pause.
Ein junger Mann kommt auf einem superteuren Karbonrennrad daher. Nicht mehr wirklich schnell.
Er bremst, quält sich vom Rad und setzt sich neben mich aufs Bänkchen. Er ist platt!
Er erzählt, dass er heute Morgen um 5:00 in Frankfurt losgefahren ist - moment Mal! Wir fahren doch jetzt grob gesprochen in Richtung Frankfurt. Ja er ist heute Morgen 150 km nach Süden nach Lauterbourg nach Frankreich, um einen Kaffee zu trinken, und jetzt ist er auf dem Rückweg. 300 km an einem Tag!! Ein anspruchsvoller Plan. So wie er neben mir auf der Bank hängt, habe ich so meine Zweifel. Nach unserer Pause ziehen wir weiter. Der junge Karbonradler ist schnell am Horizont verschwunden.
Wow, würde mich schon interessieren, ob er das heute noch geschafft hat.
Dann endlich!
Ein Stück wirklich am Rhein entlang - und nein Friederike, ich habe nicht gebadet! Die Kiesbänke sind breit, - der Wasserstand ist sehr niedrig.
Aber das Glück währt nur wenige Kilometer, bis Germersheim, dann führen alle Radwege wieder weg vom Rhein.
Geschichtsunterricht im Vorbeiradeln. Das ist eine Bayrische Garnison. Germersheim gehörte bis zum 1.Weltkrieg zu Bayern! Es ist eine riesige Festungsanlage aus dem 19.Jahrhundert. Aber zu mehr als einem "interessant" und weiter, hat es heute nicht gereicht.
Die Wegweiser sagen, es ist noch 29 km bis Speyer. Das Teasi sagt, es seien nur noch 19. Bei der Hitze will ich dem Teasi glauben - auch wenn ich längst weiß, dass solche "Abkürzungen" über die Hügel im Hinterland gehen. Aber dieses Mal ist es gar nicht schlimm. Nur raus aus der Hitze!!
Gegen 16:00Uhr komme ich am "Halbmond" in Speyer an.
Ist er nicht schnuckelig? Aber leider steht ein Schild am Eingang, dass bis 18:00 Mittagspause sei. Obwohl ich mich für früher angemeldet habe, macht niemand auf. Also Sightseeing in Radlerklamotten.
Der Dom zu Speyer ist wirklich beeindruckend - hauptsächlich von Außen. Weltkulturerbe hin oder her. Der Dom ist wirklich ein unglaubliches Bauwerk, aber innen ist er mir zu aufgeräumt und die Bilder haben mich auch kalt gelassen.
Und auch die Innenstadt - klar bei der Hitze ist überall der Hund begraben, aber ich glaube zu anderen Jahreszeiten steppt der Bär hier nicht unbedingt.
Und warum der Speyerer unter einem Bayrischen Maibaum im Juli in einer Blau-weisen "Gartenwirtschaft" auf Kopfsteinpflaster sitzen sollte, ist ein weiteres ungeklärtes Rätsel dieser Reise.
Beim "Halbmond" ist inzwischen jemand ans Telefon gegangen, nette Leute, kommen gleich.
82 Kilometer sind es heute geworden - statt der geplanten 71. Aber alles gut.
Kleiner Nachtrag zu gestern:
Nachdem mich heute die Flößer und der Holländer Michel so im Stich gelassen haben, außer einem Ortsschild und einem Rinnsal von Murg war heute nicht viel "Themenradeln".
Aber gestern, hatte ich noch eine Begegnung:
Zu Anfang beschreibt Hauff im "kalten Herz" den Schwarzwald und die Schwarzwälder, u.a, so:
"..Am schönsten kleiden sich die Bewohner des badischen Schwarzwaldes; die Männer lassen den Bart wachsen, wie er von Natur dem Mann ums Kinn gegeben ist..."
Dieses "Bild" von einem "Mannsbild" hing in einem Offenburger Friseurgeschäft.
Ob die umbarteten Kinne zu Hauffs Zeit wirklich so ausgesehen haben - oder träumen sich unsere Hippster vielleicht nur schnurstracks zurück ins ins 19.Jahrhundert?
(Kurzer Besinnungsaufsatz, nicht weniger als 320 Wörter)
Wir sehen uns Morgen !
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