Dienstag, 31. Juli 2018

14. Tag: Von Dordrecht nach Hoek van Holland

               Manne sieht Meer!


Karte

Nach einer sehr abwechslungsreichen und nicht unanstrengenden Tagesetappe: 


Taraaa!!  Der "Rhein" und ich sind am Meer!


Aber von Anfang an:
Heute Morgen in schöner Lage, aber holländisch, gefrühstückt. Toastbroat, ökologisch/alternativ, ist genauso labbrig, wie "Golden Toast", nur dass nachher mehr Körnchen in den Zähnen hängen.


Aber die Lage einmalig, "De Biesbosch"  - der Binsenbusch, in dem noch eine Menge Rheinwasser steckt, ist wirklich sehr beeindruckend. Aber zu Fuß kommt man nicht weit. Exkursionen mit dem Boot sind auf Tage hin ausgebucht. Und Friederike


im Gegensatz zu Dir, halte ich mich an Schilder!

Wie es mit Schnaken war? Das wollt Ihr nicht wirklich wissen.

Also auf, zur letzten Etappe dem Rhein entlang. Rhein ist gut, den gibt es eigentlich nicht mehr, das Wasser schon. Die Waal, wie man mich heute berichtigt hat, ist quasi die legitime Erbin des Rheinwassers, dann kommen noch Maas und Schelde hinzu, und dann wird es völlig unübersichtlich. Aber für mich ist Hoek van Holland das Ziel. Da läuft das meiste Wasser ins Meer.


(NASA World Wind)

Aber jetzt auf´s Rad.

Das erste Stück kenne ich inzwischen gut, fahre ich schließlich schon zum 3.Mal. Aber dann geht es über die Brücke rüber nach Dordrecht. Und gleich das erste Highlight des Tages. Auf den Autospuren staut es heftig, weil,


Die Brücke aufgemacht wird. Ein ziemlicher Brummer fährt durch


Der Kapitän hätte gerade mit einem Schritt von der Brücke auf die Brücke gehen können. Die Besatzung des Schiffes fotografiert genauso wild wie ich, für sie muss es auch nicht alltäglich sein, durch eine so große Brücke zu fahren. Auf der Fietsspur ist inzwischen auch ein kleiner Stau. Eine junge Dame auf ihrem Bromfiets zieht vor der Arbeit noch einen kurzen Joint rein. Ich hätte vielleicht auch tiefer eingeatmet, wenn sie und alle anderen ihre Fietsen abgestellt hätten. Stinkefiets!

Von der Brücke ab fahre ich heute ca. 45 km durch Stadtgebiet. Zuerst durch Dodrecht, dann durch Vororte- Reihenhaussiedlungen , Hochhaussiedlungen; dann Einkaufszentren, Möbellager, Bettendiscounter, Küchenstudios, Polstermöbelzentren, Sanitärsupermärkte... Autobahndreieicke, Autobahnbrücken, Eisenbahnbrücken, Kanäle, 

UND

nach Rotterdam rein, das gleiche in umgekehrter Reihenfolge. 

Übrigens kann ich heute über meine "Sonderbegabung" Albert nicht meckern. Ich weiß, wie wichtig positive Bestärkung ist, - ich habe ihn ausdrücklich gelobt. Seine Radtour vorbei an Rotterdams Highlights war erste Sahne und begann gleich mit einem Highlight.




Das ist "De Kuip". Eine Vereinsmuseum o.ä. scheint es nicht zu geben. Trotzdem: "Gut gemacht, Albert"
Dann geht es weiter in Richtung Zentrum. Sehenswürdigkeiten siehe oben.

Auf der letzen Eisenbahnbrücke, ein erster Blick ins Zentrum



Ich wiederhole mich gerne, in keinem anderen Land ist es bisher so entspannt gewesen,i n eine Millionstadt mit dem Rad einzufahren. Perfekte Radwegesystem, aufmerksame Autofahrer - und inzwischen verstehe ich auch überlebenswichtige Feinheiten. Ist der Asphalt durchgehend rot, hat Fahrrad Vorfahrt. Ist roter Asphalt unterbrochen und quert schwarzer Asphalt, hat Auto Vorfahrt. Was holländische Autofahrer nicht mögen, ist, wenn der Fahrradfahren auf seinem roten Weg langsamer wird, wenn sich ein Auto nähert, um abzuwarten ob der wirklich hält. Er hält!!! Und möchte nicht unnötig abgebremst werden. Aber ich bekomme das nicht mehr aus meinem Kleinhirn raus. Ich glaube, es ist auch besser so! Schließlich werde ich demnächst wieder in Deutschland unterwegs sein.


Über diese Brücke geht es ins Zentrum. Herauszubekommen, welcher Fluss das gerade ist, habe ich aufgegeben. Neue Maas, alte Maas, Neue Merwede, Alte Merwede, Lek Het Scheur. Ich bin an allen entlang gefahren oder drüber weg. - Aber diese Brücke sollte über die neue Maas führen, glaube ich.


In Rotterdam sitzt richtig Geld! Man muss schon das eine oder andere Milliönchen übrig haben, wenn man sich den "Scherz" erlaubt, die Fassade wegbrechen zu lassen um sie mit einem Pfeiler wieder abzustützten. Warum macht man so etwas? Weil man (es sich leisten) kann. Und auffallen will.


Architekten die solche Häuser bauen sind als Kinder auch "Minipanzer" gefahren, da bin ich mir sicher.
Und Kunst im Vorbeifahren wird mir von Albert heute auch geboten. Perfekt!



Die KunsthaL (das L am Schluss muss auf dem Kopf stehen) stellt "Viktor & Ralf " aus. Welch Banause ich doch bin. Ich habe noch nie von d e n wichtigsten Modeschöpfern und Designern Hollands gehört. 
Was die Kunsthal schön macht, sie hat eine richtige Schaufensterfront. So kann man auch von außen einen ganz guten "Einblick" gewinnen. Was ich da gesehen habe, hätte mich nicht vermuten lassen, dass das zu einer Ausstellung von Modedesignern gehört. Aber wahrscheinlich sind es eben doch "richtige" Künstler. Aber ich maße mir ein Urteil an, ohne die Ausstellung gesehen zu haben. 
Was ich durch´s Fenster gesehen habe, war nicht uninteressant. 
Weiter geht die Stadtrundfahrt per fiets.


Die Ausstellung muss ich sehen! - Ah! Amsterdam!- Na dann eben nicht.

"Hinter" dem modernen Zentrum fahre ich durch nette Viertel, die noch etwas Charme haben.


Kaffeepause!



Je weiter ich in die Vororte komme, desto windiger wird es. Dass es heute richtig zur Sache gehen wird, merke ich spätestens


als mir riesige Pappkartonteile um die Ohren fliegen. -Und das ist wörtlich gemeint. Bei einem Lastwagen hat sich die Plane gelöst und auf gut 500m hat er seinen Karton abgeladen. Die Teile sind richtig durch die Gegend gerauscht. Das war ein Happening!! 

 Doch das bisschen Adrenalin ist schnell verpufft. Jetzt beginnt wieder das mühsame Spiel. Vorwärts kommen- ohne gegen den Wind anzukämpfen. Wie gehabt, nicht auf den Tacho schauen, nicht auf den Kilometerzähler schauen, der festgefroren ist, einfach - linkes Bein, rechtes Bein!
Auf dem Damm geht es kaum vorwärts. Also runter und zwischen Damm und Bahngleis radeln.

Irgendwann muss ich meine Mittagspause einlegen. Eine Baumreihe bietet etwas Windschutz. Kaum habe ich den leckeren Papptoast ausgepackt. - Windstille! Das wäre jetzt übertrieben. Aber die Pappeln stehen kerzengerade und das Schilfrohr aufrecht. Wie gemein! Aber ich lasse mich nicht täuschen. Das ist pure Hinterlist. Ich mümmle also meinen Toast und schalte auf "Durchzug". Klar, in dem Moment, da ich den Helm wieder aufsetze, geht der Wind wieder los. - Klar! Aber zum Glück lässt der Wind dann doch in der nächsten Stunde zunehmend nach.

Oben auf dem Damm sehe ich, dass ich an der "Het Scheur" oder dem "Niuewe Waterweg" entlang radle. Die großen Hafenanlagen sind jenseits dieser Wasserstraße und logischerweise mit dem Fahrrad nicht erreichbar - und wer wollte das schon!


Hier seht ihr die großen Öltanker hinter dem Damm. Da ist der größte Ölhafen der Welt.
Auf meinem Flussarm ist nicht viel los. Aber ungefähr 10 km vor Hoek van Holland, sehe ich in der Ferne seltsame Bauwerke am Ufer.


Könnt Ihr es erkennen, große weiße Bauwerke, die in den Fluss hineinragen? Was könnte das sein?
Mein erster Gedanke ist Sturmfluttore. Aber wie sollen sich so riesige Mauern bewegen lassen? OK die Thames Barrier bei Woolwich war auch sehr groß, aber sie standen schon im Fluss. Aber hier ist der Fluss in seiner ganzen Breite offen. 
Das wird spannend. 
Tatsächlich handelt es sich bei den beiden Bauwerken um die größten beweglichen Sturmtore der Welt. 

Diese Teile lassen sich tatsächlich bewegen. In dem Informationszentrum wird das genau erklärt




Die großen Stahlgerippe führen die Mauer. Aber wie kann sich so etwas Riesiges bewegen lassen?Des  Rätsels Lösung: Nummer 5 sind riesige "Docks". Zuerst werden die Docks geflutet. Die Dämme sind innen hohl und heben sich dann an. Sie schwimmen und können so in den Fluss gedreht werden. Dort werden die Mauer geflutet und senken sich ab. Der Fluss ist zu. Diese Anlage ist der Schlusspunkt einer Reihe von Sturmflutbarrieren, die die NIEDERlande schützen - sollen.
Ein anderes Rätsel, das gestern bei den Windmühlen aufkam, wurde im Informationszentrum heute auch geklärt. Warum wird wie wild Wasser aus den Kanälen gepumpt - und wohin?
In den letzten Jahren sind nicht nur Hochwasser ein Problem geworden, sondern auch die extrem trockenen Sommer. Dadurch kommt immer weniger Süßwasser aus dem  Binnenland, bzw. immer mehr Salzwasser dringt in die tieferen Gebiete der Niederlande. Um das zu verhindern muss das Wasser aus den tieferen Gebieten - "hoch" in die Flüsse gepumpt werden, um die Versalzung der Böden zu verhindern.

Wow, heute habe ich heute wieder viel gelernt. Meine Rede: Radeln bildet!

Und jetzt kann ich das Meer riechen


Da vorn ist das Meer. 
Der Himmel ist wieder blau, die schwarzen Wolken, die heute den ganzen Tag über mich hinweg gezogen sind, - weitergezogen.
Und dann: Siehe oben - Manne sieht Meer!


Liebe Friederike, du wirst vom heutigen Blog sagen: "Null Robbenbabies!" - FALSCH


Da staunst du, was? -  Keine Angst, ich habe keine "Heuler" gesehen, ohne dass du dabei gewesen wärst! 
Das Bild ist von einer Infotafel am Strand. Anscheinend gibt es hier in der Nähe eine Heulerstation - und Bootsfahrten zu den Robbenbänken. 
Und nein, ICH habe heute üppig Interessantes erlebt.

Ist das jetzt das Ende der diesjährigen Tour? Eigentlich habe ich noch einige Tage Zeit, bis wir nach Kanada fliegen werden. Da könnte ich doch noch ein wenig drauflegen. Morgen Leiden, Donnerstag Amsterdam. Mal schauen, ich könnte eigentlich weiter bis Münster fahren. Da gibt es eine super Zugverbindung nach Engen. Nur einmal umsteigen!
Na wie wär`s, begleitet Ihr mich noch ein paar Tage?

Wäre schön!!


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