Donnerstag, 2. August 2018

16. Tag: Von Leiden - über Noordwijk- nach Amsterdam






Beobachtungsprotokoll, Danjiboy Rahman  (Fakultät für europäische Anthropologie, Jaipur/Rajastan) 2.8.18., Norwijk Holland, zur "Frage der Triebstruktur holländischer Familien im 21.Jahrhundert":

"Nähere mich dem ausgewählten Beobachtungsobjekt mit größter Vorsicht. Allem Anschein nach wird die Wohneinheit von einer erweiterten Kleinfamilie bewohnt. Offensichtlich eine   3 Generationenstruktur. 



Der Silberrücken der Gruppe betrachtet seine Vorräte mit Wohlgefallen, - kein Bedarf auf Ergänzungsbeschaffungen!

Das 𝞪- Wesen der Gruppe


scheint anderer Meinung zu sein. Ohne Ton, kann ich den Beziehungsstrukturen nicht näher nachgehen, ich werde klingeln und mich als Freund von "Manfred", einem Gewährsmann, den wir unterwegs kennengelernt haben ausgeben.

Es klappt. Die Untersuchungsobjekte schöpfen keinen Verdacht.

Erste Hinweise für eine holländische Durchschnittsfamilie



finden sich im Garten. Fortbewegungsmittel, fiets, genannt, auf die auf unterschiedlichste Weise Nachwuchswesen festgezurrt werden können.

Bereitwillig zeigt uns die Gruppe ihr Nahrungsangebot und lässt uns an ihren Vorräten teilhaben.
Auffallend bei den Lebensmitteln ist die Farbe braun und weiß


Während unserer Anwesenheit wird dem jüngsten Wesen der Gruppe eine seltsame Speise angeboten, ebenfalls braun und - man verzeihe mir die Ausdrucksweise in der Konstistenz sehr an Mäusekot erinnernd. Das Mädchen lehnt empört ab. Später lässt sie sich dazu bewegen, eine ebenfalls braune Flüssigkeit zu trinken.
Noch ist es zu früh Schlüsse auf Fragen der Initiation in die Erwachsenenwelt zu stellen, doch muss der Hypothese nachgegangen werden, ob die Rituale zur Aufnahme in die Gemeinschaft der Erwachsenen , mit der Aufnahme von Ablehnung erweckenden Speisen verbunden sein könnte...." Ende der Beobachtung. Danjiboy Rahman. "Mein Kameramann, weißt mich soeben darauf hin, dass er der Meinung ist, dass es sich bei der Beobachtungsgruppe nicht um ein holländische, sondern um eine deutsche Familie handelt. Offensichtlich gibt es bei beiden Bevölkerungsgruppen große Überschneidungen...."

SCHLUSS MIT DEM BLÖDSINN.




Heute Morgen sah der Platz vor dem ehemals "ersten Hotel" am Platz wieder idyllisch aus.


Doch heute Nacht war das die Partymeile. Und solltet Ihr mal in Leiden Unterkunft suchen, nicht unbedingt hier.

Gestern haben sich Kirsten und Carsten gemeldet. Sie machen Urlaub in Noordwjik, - etwas ab von meiner Route. Aber 16 km Umweg nimmt man doch gerne in Kauf, um mit lieben Freunden eine Tasse Kaffee zu trinken. Um 9:00 Uhr stehe ich vor ihrer Urlaubswohnung.



Nein, das ist nicht die Urlaubswohnung, dass ist der Leuchtturm von Noordwijk, das Wahrzeichen des Urlaubsortes und gleichzeitig wohl mein letzter "näherer" Kontakt mit der Nordsee für diese Reise. Nach einem guten Kaffee und einem nette Plausch, mache ich mich dann wieder auf den Weg nach Amsterdam


Carsten meint, ich würde heute wohl eher durch langweilige Tulpenzwiebel Zuchtgebiete fahren. Stimmt für die ersten Kilometer.


Doch dann will mich Albert immer von der "Ideallinie" abbringen - d.h. Sonne vor mir Wind im Rücken! No way! Ich fahre weiter gerade aus, wie die Schilder nach Amsterdam zeigen. Dann versagen auch die Schilder. Eine Baustelle auf dem Radweg- Komplettsperrung. Ein Mann ist durchgefahren, - als er mich sieht schüttelt er den Kopf. Also gut, umdrehen und runter vom Radweg. Und siehe da, ich stoße auf einen Kanal. Albert meckert zwar, aber er legt nur einen halben Kilometer drauf. Windrichtung stimmt immer noch - einigermaßen.

Und jetzt beginnt eine der schönsten Etappen auf der ganzen Reise. Bis Schipol radle ich immer am Wasser entlang. Wunderbar. Von Sassenheim über Buitenkaag, Nieuwe Wetering, Riesenhout... ein See, ein Kanal, ein See usw.

Das war richtig schönes Radfahren.


Manche Boote wissen woher der Wind weht.


Andere nicht.


An dieser Wassermühle habe ich endlich verstanden, wie man es mit Muskelkraft schaffen kann so etwas schweres wie die Mühlekappe mit samt den Flügeln zu drehen. Wenn man auf dem Brett liegt und sich mit den Füßen gegen die Griffe stemmt, dann kan man die Kette, die man gerade noch erkennen kann auf die Radnabe aufwickeln, damit zieht man sich an den Balken links heran und Mühle kann in den Wind gestellt werden. Macht man die Kette an an einem anderen Balken fest geht es in die andere Richtung.


Die Häuser am See oder Kanal sind zum Teil richtig edel. Bentley in der Garage, der Mini Cooper der Tochter auf der Straße. Das Boot am Landesteg davor, - natürlich mit einer netten Sitzecke. Das sieht nicht schlecht aus.

Wer diese Jacht in Auftrag gegeben hat,spielt natürlich in einer anderen Liga. 


Die Werft Verhoef hat sich auf "Freifall-Rettungsboote" spezialisiert. Hilf mir Friederike, wir haben irgendwo schon mal eine Demonstration von solchen Booten gesehen. Die werden wirklich im Freien Fall von ganz oben von Bohrinseln oder Öltankern fallen gelassen. Sie stürzen mit dem Bug nach unten, tauchen ins Wasser ein und kommen dann wieder hochgeschossen. Die Leute sind wie bei einer Weltraumkapsel festgegurtet und abgepuffert. Heiß und fettig. Muss ich nicht haben.

Je näher man dem Flughafen Schipol kommt, desto weniger luxuriös sind die Häuser am Rande der Wasserwege. 


Manche sind abbruchreif. Kein Wunder. Es ist wirklich abgefahren. Hinter den Wartungshangars von KLM und Konsorten, ist nach wie vor ein wunderschönes Naturschutzgebiet. 
Doch jede Idylle hat ein Ende. 


Am "Fortschritte" endet selbst der schönste Radweg einmal. Aber zum Glück ist diese hässliche Strecke durch das Flughafenumfeld nur kurz, dann noch ein paar Kilometer durch Vororte und dann oh Wunder radle ich durch den wunderschönen Vondelpark kilometerlang, direkt ins Zentrum von Amsterdam.
Mein Hotel "Atlantis" liegt in einem sehr netten Viertel, mit Straßenmarkt, netten Kneipen und Coffee Shops.

Von hier aus sollte die Stadterkundung kein Problem sein.

Raus aus den Radlerklamotten und rein ins Amsterdamer Vergnügen.

Auf dem Weg zum Hotel bin ich auch an der Heineken Brauerei vorbeigekommen. 1978 war ich mit eine Reutlinger 10.Klasse auf Abschlussfahrt in Amsterdam. Dabei haben wir auch die Heineken Brauerei besichtigt. War etwas chaotisch.
Soll ich es wagen noch einmal eine Besichtigung mitzumachen?

"Vom Feind lernen heißt siegen lernen", hat Mao schon gesagt.
Also ran an den Feind.
Oh Mann, worauf habe ich mich da eingelassen!!!
 Gebraut wird hier natürlich seit den 80er Jahren nicht mehr. Und der Name "Heineken Experience" hätte mich hellhörig werden lassen müssen.
Es kam noch schlimmer, als Ihr Euch das vorstellen könnt. Eine Reise in die Unterwelt von aufwendig aufgezogenem schlechten Marketing. Aber da tue ich Heineken  unrecht. Sie treffen ihr Zielpublikum, und die "wollen nur spielen"! Und das kann man auf allen Ebenen. Einen minimalistischen Informationsinput, Multimediazauber, 


Hier befinden wir uns im Inneren des Braukessels,


Hier in der Abfüllanlage


und hier weiß ich auch nicht so genau wo ich da bin. Das Ganze unterlegt mit lautem Techno und wummernden Bässen.

Dann Spielekonsolen, wie man das Bier richtig einschenkt.
Dann Blitzkurs, wie trinkt man richtig. "Achtung, nicht den Schaum trinken, der ist zu bitter! Ihr müsst den Schaum mit der Oberlippe wegschieben und das Bier darunter trinken." Groteske Trinkversuche mit dem Pobiergläschen von einem Dutzend Menschen aus dem asiatischen Teil der Welt. Ich schwöre bei St. Florian dem Patron der Bierbrauer, ich habe heute - ausnahmnsweise - nicht  das winzigste bisschen übertrieben. Es wurde immer grotesker. Eine Reise in die grausame Wirklichkeit des schlechten Geschmacks. Für 10 Euro kann man 2 "eigene" Bierflaschen, mit dem eigenen Namen drauf entwerfen und später an der Kasse abholen.
Schön auch die Videos als Erinnerung, wie wir alle mit Heineken Fahrrädern durch Amsterdam radeln




Hier kannst du ein Foto machen, wie du den Championsleague Pokal hochhältst.
Und dann ENDlICH - da heiß ersehnte "Freibier" - 2 Glas. Hier unten in der Bar merke ich, dass ich den Altersdurchschnitt gewaltig in die Höhe getrieben habe.


Und jetzt kommt der schlimmste Moment des ganzen Tages: oh my God !!
"Das Bier schmeckt mir! - Was haben sie mit mir gemacht! 
Ich wurde in der Multimedia Show umprogrammiert. Ich möchte noch ein Heineken...

Da begebe ich mich, nur um die Neugier meiner Leserschaft zu befriedigen, in höchste Gefahr- und nun sollen mir bleibende Schäden daraus entstehen?

Wer kann mich wieder zurückprogrammieren?

Völlig verwirrt gehe ich durch den Heineken Fanshop. So weit ich mich erinnern kann habe ich nichts gekauft und schwanke auf das nächste Boot - Rond Faart. 
Langsam komme ich wieder zu mir.
Das mit der Grachten Fahrt war auch nicht die Superidee. Kein Schatten, pralle Sonne - und überall Heineken Reklame. 

Doch die 70 Minuten gingen dann doch recht unterhaltsam rum. Schöne Bilder von Grachten,
Kennt ihr ja, 


 Und schönen Schiffen


War wirklich ein rundum schöner und interessanter Tag-  nein, ich hole kein Heineken, vergiß es. Du kannst mich mal, nein ich mag in Wirklichkeit Heineken überhaupt nicht! Nein, ich gehe jetzt nicht zum Nachtwinkel...
Hilfe!!!
Bis Morgen - dann hoffentlich wieder ganz der Alte!


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