Sonntag, 29. Juli 2018

12. Tag: Von Millingen nach Wamel ans Fährhaus




Das ist der Tag der unerklärlichen Kringel durch Geldern!! Was für eine schöne, höchst verwirrende und nicht unanstrengende Tour!! 
So ganz verstehe ich immer noch nicht, was Teasie- formerly known as Albert - heute durch die Platine gejagt ist.

Aber von Anfang an. Die Leute von der Hamschen Kuul in Millingen sind wirklich sehr nett. Sie, die Künstlerin, er der Historiker. Sie sammelt - so ziemlich alles- von Skulpuren über moderne Druckgrafik bis Bügeleisen




Alles für sich genommen sehr ansprechend. Aber wenn man auf dem Nachtisch nicht mal ein Glas abstellen kann, ohne 2 Frösche und 2 marokkanische Teelichter wegzuräumen, bekomme ich ein leichtes Kribbeln, nein Manfred, du machst jetzt keine weit ausholende Geste, - nein wirklich!!

Aber ihre Bollenblumen sind wirklich wunderschön, - deine Hortensien werden sicher auch bald so groß sein, Marielouise!


Herr Ham spricht gut Deutsch und erklärt mir woher der Name Hamsche Kuul kommt. Wieder mal hat alles mit dem Rhein zu tun. Bei einer Begradigung - wieder mal - sind hier in der Gegend große Wasserflächen entstanden, auf denen die Hams das Fischrecht hatten. Dieser See war die Hamsche Kuul. Jetzt verstehe ich, Kuul ist niederdeutsch für Kuhle, die irgendwann mal vollgelaufen ist. Und irgendwann mal später hat jemand gemeint, Fischteiche sind unkuul und hat das Land trocken gelegt und jetzt steht das Haus vom Ham in der Siedlung, wo einstmals die Kuul vom Ham war.
INTERESSANT!
Ehe ich mich auf den Weg mache - eingedenk meiner 4 Informationsquellen - frage ich Herrn Ham, ob ich von Millingen immer zu Fähre muss. Er meint ja, das sei quasi eine Halbinsel. "Vor und dann rechts und dann wieder links zur Fähre." - Danke schön, ich radle vor zur Hauptstraße, das Teasi sagt links, - Herr Ham sagte, aber rechts! Bikeline ist so was von daneben - im wörtlichen Sinne - oder ich liege deutlich neben dem Streifen Karte, den bikeline abbildet. Bleibt der 4.Helfer: Schilder.


Ja, toll! Da habt Ihr Euch ja ein super System ausgedacht - liebe Holländers!!

Und jetzt? Bleibt Informant Nr. 5, Bauchgefühl!! Gefühlt will ich nicht zurück fahren - das spricht für Teasi und gegen Herrn Ham. Außerdem fahren alle links lang.
Als links! So sei es!

Nach etwa 5 km komme ich tatsächlich an einen Platz der behauptet eine Anlegestelle für eine Fähre zu sein.



 Ein Schild erklärt alles! Auf Holländisch!!


Aber mein Blitzkurs "Holländisch" reicht aus, um zu verstehen, dass es hier eine Fähre gibt.

"Op de bovengenoemde dagen" - ich liebe Holländisch, eine Sprache so umständlich wie Holzschuhe,  aber viel weicher. Das müsst ihr mal laut sprechen bovengenoemde dage! Das ist wie Kaffeesahne (dröpge for dröpge..) Also an "obengenannten Tagen" - darunter fällt auch der Sonntag, sollte der Fährbetrieb um 10:00 beginnen.
Dumm nur, dass ich schon um 9:30 Uhr da bin.

Was sagt Meister Pi - "Nix su tun - TaiChi!"

Geht doch. Leider hat es an der "Anlegeselle" kein bisschen Schatten.
Dann kommt ein Rennradler vorbei - liest das Schild, sagt, er fährt zur anderen Fähre - und ist weg.

Auf der gegenüberliegenden Seite kommen immer mehr Radfahrer an - ich schätze dort sind es bereits so um die 10. Das beruhigt.
Auf meiner Seite bin ich noch allein.
Dann kommt ein Paar. Tagestour. Sie hat ein raffiniertes Heftchen an ihrem Lenker. Sie erklärt mir, man könne die holländischen Radwegenetze zu Hause runterladen, sich dann die Nummern in das Heftchen schreiben und so einen perfekten Tourenplan zusammenstellen. Ja toll! Wenn man an einem Sonntag Morgen an einer Kreuzung steht. Siehe oben!!! 

Der Mann erklärt mir, das System stamme aus dem Bergbau, wo man den einzelnen Stollen auch Zahlen gegeben hat und dann auf eine Tafel geschrieben hat, wie man von 28 zu 396 kommt. Leuchtet ein. Aber mir gefällt es besser wenn auf einem Schild steht -  Bröselburg 2,8 km. Die Entfernungsangabe stimmt dann meist auch nicht. Aber Bröselburg liegt DA LANG!
Der Rennradler ist inzwischen auch wieder da! 20 km Umweg, meint er. Das ist für heute zu viel! Finde ich auch.
Man unterhält sich nett. Inzwischen ist es 10:10. Auf der anderen Seite sind jetzt an die 30 Radfahrer eingetroffen. Ob die alle "drauf" gehen?  Mein Radweginformant liest die Hinweise noch einmal auf dem Schild. "Halt! Hier steht - der Fährbetrieb findet zwischen 10:00 und 18:00 Uhr statt. `Zwischen` nicht 'ab'! - Muss Jurist sein, wenn er keine Radlerhose anhat.
Aber wo er recht hat....
Über einen anderen Irrtum klärt er mich auch nebenbei auf. Ich bin nicht mehr am Rhein, das heißt schon, aber dieser Arm heißt Waal. Und genau genommen, stecke ich zwischen dem Waal und einem Rheinseitenkanal. 

Dann gegen 10:20 kommt eine Fähre aus Richtung Millingen. Geht zur anderen Seite lädt ein und kommt rüber:

Die Dame ganz links vorne hat auch ein Kanadisches Trikot an. Als wir uns treffen sagt sie: "I like your t-shirt!" "Thanks I like yours, too!"

Das Übersetzen gestaltet sich recht spannend. Hier ist ein Verkehr wie auf der Avus. Die Fähre muss sich zwischen den großen Kähnen durchschmuggeln,


Schloss Versailles lassen wir durch - besser so.
ob es aber vor der



 Eleonore reicht? Besser nicht.

Auf der anderen Seite beginnt meine Tagestour, jetzt richtig., auf den wunderbaren holländischen Radwegen. Das ist wirklich vorbildlich. Dort wo es zu Konflikten mit Autos kommen kann,  ist der Radweg rot asphaltiert. Wir haben sogar unsere eigenen Verkehrsschilder. Etwas kleiner und etwas weiter unten.


Das macht schon Spaß. Ich radle durch das Blumen- und Obstland zwischen Waal und Rhein.




Würde mich schon interessieren, welche Früchte Hans nun genau meint. Nicht dass ich da 
säckeweise Äpfel mampfe....

Dann, etwa um 1:00 fängt es an zu winden. Und ich meine WINDEN, oder eher Winden.

Der Wind kommt von Westen. Boeig, kräftig. Je nach dem, wie die Straße verläuft, muss man gegenlenken, um nicht von der Straße gedrängt zu werden, oder man strampelt und strampelt und kommt nicht voran. Oder- das kommt aber viel zu selten vor, man schießt nur so durch die Landschaft. 
Und dann will Teasi auch noch auf den Damm. Normalerweise bin ich sauer, wenn ich irgendwo im Niemandsland radle, aber heute hätte es DAMM nicht gebraucht. 
Wenn man Mühe hat im zweistelligen Bereich zu bleiben , was die Stundenkilometer betrifft, dann wird es zäh.
Aber eigentlich ist es trotz allem ein schöner Tag.

Irgendwann ist das Teasi gnädig und lenkt mich runter vom Damm. Und hinter den Hecken ist das Fahren gleich viel angenehmer. Aber dann stelle ich fest, das mein heutiges Ziel, auf der anderen Seite des Waals ist. Wie das? Ich muss noch mal rüber? Aber wie es scheint, kein Problem, ich werde auf eine Brücke zu gelenkt. Oder genauer gesagt, eine Schleuse,


Schon seltsam, hier im Flachland Schleusen? 
Dann bin ich auf der anderen Seite und radle "wieder zurück" Richtung Tiel. 
Und dann kommt der Hammer! Ich soll wieder mit einer Fähre über den Waal auf die andere Seite. Jetzt bin ich komplett verwirrt. Warum habe ich nicht von Anfang an auf dieser Richtung bleiben können? Das mit Millingen habe ich ja noch verstanden, da bin ich auf einer Halbinsel. aber hätte ich nicht dann einfach auf der Seite bleiben können? Weder Naviki, noch google maps noch sonst wer haben meine heutige Verwirrung lösen können. Mal sehen, wie ich hier Morgen heraus kommen.  Hier auf der Terrasse des Veerhuis, in der Abendsonne, mit Blick auf die vorbei fahrenden Frachtschiffe und nach einem guten Abendessen, ist mir das ziemlich wurscht.
Das Zimmer ist nett, die Leute auch. Das Bier ist gut. Und Morgen ist Morgen.

Da schaut Ihr hoffentlich wieder rein



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