Samstag, 28. Juli 2018

11. Tag: Von Voerde nach Millingen aan de Rijn





Am 11. Tag bin ich in Holland eingefahren - gerade rechtzeitig vor dem Gewitter!!

Aber von Anfang an!

Gestern Abend, die Mondfinsternis, war eine Pleite! Ich bin mehrfach ums Hotel geschlichen. Vom Mond keine Spur! Wo hat er sich nur versteckt!

In der Nacht kühlt es ab. Heftige Boen lassen die Hotelfenster klappern. Heute Morgen schwere Regenwolken. Mal sehen wie lange ich trocken bleibe. Aber wenigstens hat die extreme Hitze etwas nachgelassen. Von Voerde nach Wesel sehr entspanntes  Radeln. Verschlafene Dörfer, und am Samstag um 8:00 Uhr 2x verschlafen


Ein Wintergarten fällt mir auf. Randvoll mit Motorrädern und einem Auto. Das ist keine Werkstatt, sondern wirklich ein Wintergarten, an einem ganz normalen Einfamilienhaus. - Das kann nur ein "Scheidungshaus" sein!! Welche Frau lebt in einem Haus mit Wintergarten, das vollgestellt ist mit Motorrädern!


Das ist der Weser-Datteln-Kanal und das ist die


LIPPE. Und im Hintergrund die Rheinbrücke von Wesel.

Wesel am Samstagmorgen! Habe ich mir gespart!
Aber Allen, die jetzt im Chor die Frage nach dem Bürgermeister von Wesel stellen!
Es ist kein Er sondern eine Sie und heißt,

ULRIKE WESTKAMP

Merken! Setzen! - Und überhaupt bezog sich der Ursprung dieses Rufes, "Wie heißt der Bürgermeister von Weeeesel?,  nicht auf dieses Wesel. Die Rheinschiffer am Mittelrhein haben das bei Oberwesel gerufen - und das entsprechende Echo erhalten. - Hätte ich eigentlich auch ausprobieren können.

Dann die Brücke:



Elegantes Bauwerk. Kaum bin ich auf der linken Seite, fängt der Regen an. In der Unterführung unter der Brücke treffen sich die Radfahrer und warten den Regen ab. Man kommt ins Gespräch, - d.h. die hardcore-Rennradler halten sich ein bisschen abseits. Satteltaschenradler sind für sie Parias. Nach einer halben Stunde geht es weiter. Immer auf oder neben dem Damm.


Das sind die Reste der Hamburg-Venloer-Eisenbahnbrücke, die im II.Weltkrieg zerstört worden ist.

Dann rolle ich durch das Naturreservat "Bislicher Insel"  der größten zusammenhängenden Auenlandschaft (von Deutschland? Niederrhein, Milchstraße - keine Ahnung, größte halt) mit einem sehr interessant gestalteten Informationszentrum. Ich darf mir die Ausstellung anschauen, obwohl eigentlich erst um 10:00 Uhr geöffnet wird. - Aber ob wirklich so viel mehr heute noch kommen werden? "Bislicher Insel" deshalb, weil Friedrich der Große hier eine Begradigung des Rheins vornehmen ließ und zusammen mit dem abgeschnittenen Altrheinarm eine Insel entstand. 
Dann rolle ich in Xanten ein. Xanten -

"Dô wûohs in Nie­der­lan­den eins vil ede­len kü­ne­ges kint,
des va­ter, der hiez Si­ge­munt, sîn muo­ter Si­ge­lind,
in ei­ner rîchen bür­ge, wî­ten wol be­kannt,
nide­ne bî dem Rî­ne. diu was ze San­ten ge­nant. " (St.Galler, Niederschrift)

Santen - Xanten - Nibelungen, soweit war mir das klar. Aber, dass die Stadt ein Highlight nach dem anderen zu bieten hat, das wusste ich nicht.

Die Altstadt ist nett, aber offensichtlich im II.Weltkrieg ziemlich zerstört worden. Ebenso wie der St. Victor Dom. Dennoch war St. Victor ein Erlebnis. Und der "niederrheinische" Tilman Riemenschneider -  Heinrich Douvermann aus Dinslaken - für mich eine Entdeckung. Unglaublich was man mit Holz machen kann.


Die "Wurzel Jesse" ist ein unglaubliches Gefleckt von Wurzeln, Blättern und Figuren, und mitten drin, Jessaja,  ein schlafendes, männliches Dornröschen im Dornenhag. Dann all die anderen, - und zwischendrin Tiere, Mäuse, Igel, Hasen, Hamster ... es ist eine wahre Entdeckungsreise.



Dabei ist die Predella des Marienaltars nicht sehr groß, - aber was es alles zu entdecken gibt.

Und dies ist nur einer von 24 unglaublich schönen Altären, hinzu kommen Skulpturengruppen wie der  Kalvarienberg, die Bildteppiche und und und..

Es gibt wenige Kirchen, die mich ähnlich beeindruckt haben.

Geht man dann hinunter in die Krypta - dort wo normalerweise, die Gebeine der Heiligen "ruhen" - wird man mit einem Schlag ins 20.Jh zurück geholt. Das hat mich sehr beeindruckt. Unter dem Hochaltar, eine Gedenkstätte für Karl Leisner - der wegen regimekritischer Äußerungen im KZ war.
Einfache Würfel, mit den Namen der Nazivernichtungsstätten - Bergen Belsen - Auschwitz - Dachau etc... verbunden mit einem Band aus Stacheldraht. Sehr schlicht,  - und an dieser Stelle völlig unerwartet. 
Kann man nur hoffen, dass die Wächter der "Xantener Immunität" - in Zukunft etwas besser auf dieses Schatz aufpassen



Siegfried, Victor - aber damit ist Xanten noch nicht annähernd abgehakt. Es fehlen natürlich noch die Römer.


Ja bin ich vielleicht auf Sizilien? Das ist der Hafentempel.


Das sind Rekonstruktionen der Hafenanlage


Und so könnte Xanten zu römischer Zeit ausgesehen haben.

Und Kalkar und Kleve sollen nicht minder interessant sein. Also weiter.

Und ein zweites Mal komme ich in einen Regenguss. Wieder Halt unter einem Baum


In Kalkar wird die "Kirmes"- auf oder abgebaut. Die Kirche ist zu- warum auch immer. Schade, hier soll noch etwas vom Niederrheinischen Riemenschneider sein!!

Inzwischen gestaltet sich der Tag in eine Art Saunagang mit verkehrtem Aufguss. Erst, der Guss, dann kommt die Sonne heraus, alles Dampf, man schnappt nach Luft.

Also weiter -


Ehrlich jetzt, muss ich mich wirklich zwischen Till und Kleve entscheiden - Teasi (formerly known as Albert) sagt, Till ist schon ok - nach Kleve komme ich auch auf diesem Weg.

Und tatsächlich:

Das Tillsche Haus ist ein Überbleibsel der "Burg Till"

Und so hat sie vielleicht einmal ausgesehen.



Weiter - und noch ein Aufguss. Die Radwege sind heute überwiegend schnurgerade, man kommt gut voran. Letztendlich  ist das den Römern zu verdanken, die ja bekanntermaßen, die schnurgeraden Alleen liebten.


Ich komme gut voran - bis ich merke, dass mich das Teasi nach meinem Zielort Millingen lenkt - ziemlich weiträumig an Kleve vorbei. Den Dom und das Schloss sehe ich nur aus der Ferne.
Soll ich doch den Umweg machen - das würden dann um die 80 km heute, statt der über 70. Der nächste Sprühregen gibt mir die Entscheidungshilfe. So habe ich den Turm der Schwanenburg nur aus der Ferne gesehen.



Und die niederrheinische Landschaft kann man  auch ohne Kultur genießen. Wenn möglich, etwas beschleunigt, - die nächste Gewitterfront zieht auf - und dieses Mal scheint es ernst zu werden.


Als ich an der "Hamsche Kuul"  klingle, schlagen schon schwere Tropfen auf!
Die Leute in meiner heutigen Bed&Breakfast Unterkunft sind sehr nett, sehr unkompliziert und sehr kunstaffin,- mal sehen was ich Euch Morgen zu berichten habe

Slaap lekker!!!


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