5.Tag von Mainz bis Sankt Goar
Heute Morgen im Frühstückssaal des Hotels. Sehr gutes Buffet. Am Obstsalat steht ein Paar und zerlegt den selbigen. Stück für Stück picken sie sich die Mangobrocken raus. "Typisch Deutsch!", denke ich - bis die Frau sagt "Er is er nog een!" - So kann man sich täuschen.
Aber ansonsten war der Start in den Tag sehr angenehm.
Noch ist es nicht heiß. Der Radweg soll heute a u c h am Rhein entlang führen. Doch kaum bin ich unten am Rheinufer, beanspruchen irgendwelche Industrieanlagen wieder die erste Reihe. Also geht es kilometerlang durch Kleingartenanlagen und Obstplantagen auch nicht schlecht.
"..und als ich aus der schönen Stadt rausfuhr,
im Sommer um die blaue Pflaumenzeit..."
Die Bäume sind übervoll, teilweise brechen schon die Äste wegen der Last ab. Da muss man den armen Bäumen doch helfen!!
Doch dann wird es heute wirklich eine Flussfahrt. - Mit vielen Gleichgesinnten in beide Richtungen. Der Radweg ist nicht immer dafür breit genug. Zum Glück bleiben viele der Rennradtrupps auf der Straße.
Hier beginnt die Strecke, von der immer geschwärmt wurde, wenn es um "den" Rhein ging. Der Romantische Rhein, der Burgen- und Weindörfer Rhein, der sagenhafte Rhein.
Und der Eingang zum Mittelrhein ist "Bingen", das Bingener Loch. Legendär, wegen seiner Gefährlichkeit.
Auf dem Abschnitt zwischen Bingen und Bonn klumpen sich die Burgen nur so. Klar, hier wird das Rheintal wieder sehr eng, der Rhein musste sich seinen Weg durch das Rheinische Schiefergebirge graben. Dementsprechend gut ließen sich die Warenströme auf dieser Strecke kontrollieren und "bezollen".
Eigentlich habe ich heute keine Lust mir den Kopf zu zerbrechen, über den "deutschen Schicksalsstrom", über den "politischen Rhein", die "Wacht am Rhein" und ähnlichen Schrott. Und doch kommt man nicht drumrum, die dieses perfekte Bühnenbild für den heutigen Rheintourismus, ein wenig zurecht zu rücken. Klar ist die Burgendichte hier enorm. Aber der 30jährige Krieg, und der Pfälzische Erbfolgekrieg und Napoeloen haben auf der ganzen Strecke praktisch nur Ruinen und Steinhaufen zurück gelassen. Erst im 19. Jahrhundert in der Melange aus Romantik und Nationalismus und Franzosenfeindlichkeit wurden die meisten der Burgen von preußischen Architekten auf Mittelalter gepimpt. Bollwerke nach Westen und der romantischen Seele ein Wohlgefallen. Und dann, nach der Reichsgründung kamen die Drohdenkmäler: Niederwalddenkmal, deutsches Eck....
Aber ich wollte ja nicht mit Politik und Geschichte langweilen, aber die ganze Landschaft hier ist vollgestellt mit Geschichte.
Hier z.B. die Reste der Eisenbahnbrücke vor Bingen, die kaum 50 Jahre gestanden hat, dann wurde sie sowohl von den Alliierten, als auch von der Wehrmacht weggesprengt.
Dies ist natürlich die andere Seite, Das Niederwalddenkmal über Rüdesheim, mit einer gigantischen Germania, die triumphierend die Krone nach Westen zeigt.
Und nein, Rüdesheim selbst habe ich mir geschenkt. Es gibt auf der linken Rheinseite ähnlich viel weinselige, Touristenromantik.
Bingen war heute am Sonntag natürlich gesteckt voll. Eine Oldtimer Ralley zog die Massen an.
Was sagt das über Euren Blogger aus, dass die meisten Oldtimer dieser Show jüngeren Datums waren als er selbst?
Natürlich wollte ich auch ein Bild von der Stelle machen, an der der Tanzbodenkönig einen Teil des Nibelungenschatzes erstochert hat. Dummerweise sieht der Mäuseturm zu Bingen jetzt wie der Schornstein der Fähre aus. Entweder war die Fähre zu schnell, oder ich zu langsam, ok, es war um die Mittagszeit - und es war sehr heiß.
Die Reise von Bingen nach Sankt Goar, meinem heutigen Nachtquartier war sehr unterhaltsam. Kein Wunder bei Dutzenden von Burgen.
Diese hier müsste die Burg Rheinstein sein:
Sie war so marode, dass die Franzosen im Erbfolgekrieg auf die Sprengung verzichteten, sie fiel von selbst in sich zusammen. Schinkel - d e r Schinkel - hat dann den Entwurf für den Wiederaufbau im 19.Jahrhundert gemacht. Das Mittelalter ist vielerorts nicht so lange her wie man denkt!!
Ich belasse es bei einer Burg. Aber das "Herz der Romantik" muss ich schon noch erwähnen - nein, das ist nicht die Loreley, sonder Bacharach, zumindest nach dem Ortsschild.
Und es ist ja auch wirklich ein schnukeliges Örtchen.
Vor dem " mittelalterlichen Herzen der Romantik" hatte niemand ein Problem damit, die Eisenbahn - die natürlich wichtiger war, direkt neben der Stadtmauer zu platzieren, und die alten Eingänge in die Stadttore mit Unterführungen freizuhalten. 4x mal "Fuchsloch" ins Herz der Romantik. Ich habe ehrlich überlegt nicht reinzufahren.
Hätte ich aber etwas verpasst.
Die Altstadt ist wirklich ein Schmuckkästchen. Und selbst in der "aufgeräumten" protestantischen Stadtkirche gab es noch die eine oder andere Überraschung.
Warum die Dame 2 Schlangen an ihrer Brust "nährt"? Ich habe keine Ahnung. Der Ausdruck steht ja dafür, dass man jemand vertraut hat, der einem dann in den Rücken fällt. Aber was bedeutet das im kirchlichen Kontext? Natürlich hat man oft irgendwelche "Deppen" die Last des Gewölbes tragen lassen, hier auch?
Was mir nicht so gut gefallen hat. In den 1960iger Jahren wurde die spätromanische Kirche innen farbig ausgespaltet. Ich weiß, sie waren oft farbig. Aber POP-ART und Romanik gehen für mich einfach nicht zusammen.
Ach es gäbe noch einiges von dieser Tagesetappe zu erzählen. Hier klumpt/en die Geschichte/n nur so.
Klar, ein Bild noch von dem Lorely-Felsen:
Bei dem niedrigen Wasserstand braucht niemand zu singen. Die Schifffahrt auf diesem Abschnitt wird jeden Tag gefährlichen.
Meine heutige Unterkunft ist direkt an der Fähre, direkt am Rhein, - was anderes wäre auch nicht möglich. Die Orte hier haben, eine Straße und eine Häuserreihe - und eine Bahnlinie. In Sankt Goar verläuft sie aber oberhalb durch Tunnel.
So und jetzt bin ich in meinem Zimmer in Sankt Goar, schaue aus dem Fenster und komme immer noch nicht los von der "Geschichte", Eins noch, ok?
Also da oben ist die Burg "Katz" - korrekterweise müsste ich sagen: Neu-Katzenelnbogen. Erbaut vom Geschlecht dero von Katzenelnbogen, in unmittelbarer Nähe zur Burg Maus, die zu Trier gehört hat. - ich schwör, ich habe noch nichts getrunken!!!
Das Geschlecht dero von Katzenelnbogen (ich liebe diesen Namen!) starb aus und in der Folge von Erbstreitigkeiten, hat man das Erbe z.T. zerstört, um die Story abzukürzen. Napoleon hat den Rest gesprengt. Nix mehr da.
1816 kauft ein Landrat den Rest auf und ließ die Ruine wieder aufbauen. - Das heißt - e i n e Burg bauen. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr, dass einfach ein bewohnbares Privatschlösschen um den noch stehenden Bergfried herum gebaut worden ist. Hinter den possierlichen Türmen dreut der gewaltige Turm.
Später war die Burg Katz ein Schulungslager für den Reichsarbeitsdienst und nach dem Krieg ein Internat.
Soviel zum romantischen Anblick mittelrheinischer Burgen.
Noch ist es nicht heiß. Der Radweg soll heute a u c h am Rhein entlang führen. Doch kaum bin ich unten am Rheinufer, beanspruchen irgendwelche Industrieanlagen wieder die erste Reihe. Also geht es kilometerlang durch Kleingartenanlagen und Obstplantagen auch nicht schlecht.
"..und als ich aus der schönen Stadt rausfuhr,
im Sommer um die blaue Pflaumenzeit..."
Die Bäume sind übervoll, teilweise brechen schon die Äste wegen der Last ab. Da muss man den armen Bäumen doch helfen!!
Doch dann wird es heute wirklich eine Flussfahrt. - Mit vielen Gleichgesinnten in beide Richtungen. Der Radweg ist nicht immer dafür breit genug. Zum Glück bleiben viele der Rennradtrupps auf der Straße.
Hier beginnt die Strecke, von der immer geschwärmt wurde, wenn es um "den" Rhein ging. Der Romantische Rhein, der Burgen- und Weindörfer Rhein, der sagenhafte Rhein.
Und der Eingang zum Mittelrhein ist "Bingen", das Bingener Loch. Legendär, wegen seiner Gefährlichkeit.
Auf dem Abschnitt zwischen Bingen und Bonn klumpen sich die Burgen nur so. Klar, hier wird das Rheintal wieder sehr eng, der Rhein musste sich seinen Weg durch das Rheinische Schiefergebirge graben. Dementsprechend gut ließen sich die Warenströme auf dieser Strecke kontrollieren und "bezollen".
Eigentlich habe ich heute keine Lust mir den Kopf zu zerbrechen, über den "deutschen Schicksalsstrom", über den "politischen Rhein", die "Wacht am Rhein" und ähnlichen Schrott. Und doch kommt man nicht drumrum, die dieses perfekte Bühnenbild für den heutigen Rheintourismus, ein wenig zurecht zu rücken. Klar ist die Burgendichte hier enorm. Aber der 30jährige Krieg, und der Pfälzische Erbfolgekrieg und Napoeloen haben auf der ganzen Strecke praktisch nur Ruinen und Steinhaufen zurück gelassen. Erst im 19. Jahrhundert in der Melange aus Romantik und Nationalismus und Franzosenfeindlichkeit wurden die meisten der Burgen von preußischen Architekten auf Mittelalter gepimpt. Bollwerke nach Westen und der romantischen Seele ein Wohlgefallen. Und dann, nach der Reichsgründung kamen die Drohdenkmäler: Niederwalddenkmal, deutsches Eck....
Aber ich wollte ja nicht mit Politik und Geschichte langweilen, aber die ganze Landschaft hier ist vollgestellt mit Geschichte.
Hier z.B. die Reste der Eisenbahnbrücke vor Bingen, die kaum 50 Jahre gestanden hat, dann wurde sie sowohl von den Alliierten, als auch von der Wehrmacht weggesprengt.
Dies ist natürlich die andere Seite, Das Niederwalddenkmal über Rüdesheim, mit einer gigantischen Germania, die triumphierend die Krone nach Westen zeigt.
Und nein, Rüdesheim selbst habe ich mir geschenkt. Es gibt auf der linken Rheinseite ähnlich viel weinselige, Touristenromantik.
Bingen war heute am Sonntag natürlich gesteckt voll. Eine Oldtimer Ralley zog die Massen an.
Was sagt das über Euren Blogger aus, dass die meisten Oldtimer dieser Show jüngeren Datums waren als er selbst?
Natürlich wollte ich auch ein Bild von der Stelle machen, an der der Tanzbodenkönig einen Teil des Nibelungenschatzes erstochert hat. Dummerweise sieht der Mäuseturm zu Bingen jetzt wie der Schornstein der Fähre aus. Entweder war die Fähre zu schnell, oder ich zu langsam, ok, es war um die Mittagszeit - und es war sehr heiß.
Die Reise von Bingen nach Sankt Goar, meinem heutigen Nachtquartier war sehr unterhaltsam. Kein Wunder bei Dutzenden von Burgen.
Diese hier müsste die Burg Rheinstein sein:
Sie war so marode, dass die Franzosen im Erbfolgekrieg auf die Sprengung verzichteten, sie fiel von selbst in sich zusammen. Schinkel - d e r Schinkel - hat dann den Entwurf für den Wiederaufbau im 19.Jahrhundert gemacht. Das Mittelalter ist vielerorts nicht so lange her wie man denkt!!
Ich belasse es bei einer Burg. Aber das "Herz der Romantik" muss ich schon noch erwähnen - nein, das ist nicht die Loreley, sonder Bacharach, zumindest nach dem Ortsschild.
Und es ist ja auch wirklich ein schnukeliges Örtchen.
Wie, findet Ihr nicht? Ich war so was von geschockt, diese Stadttore zu sehen:
Hätte ich aber etwas verpasst.
Die Altstadt ist wirklich ein Schmuckkästchen. Und selbst in der "aufgeräumten" protestantischen Stadtkirche gab es noch die eine oder andere Überraschung.
Warum die Dame 2 Schlangen an ihrer Brust "nährt"? Ich habe keine Ahnung. Der Ausdruck steht ja dafür, dass man jemand vertraut hat, der einem dann in den Rücken fällt. Aber was bedeutet das im kirchlichen Kontext? Natürlich hat man oft irgendwelche "Deppen" die Last des Gewölbes tragen lassen, hier auch?
Was mir nicht so gut gefallen hat. In den 1960iger Jahren wurde die spätromanische Kirche innen farbig ausgespaltet. Ich weiß, sie waren oft farbig. Aber POP-ART und Romanik gehen für mich einfach nicht zusammen.
Ach es gäbe noch einiges von dieser Tagesetappe zu erzählen. Hier klumpt/en die Geschichte/n nur so.
Klar, ein Bild noch von dem Lorely-Felsen:
Bei dem niedrigen Wasserstand braucht niemand zu singen. Die Schifffahrt auf diesem Abschnitt wird jeden Tag gefährlichen.
Meine heutige Unterkunft ist direkt an der Fähre, direkt am Rhein, - was anderes wäre auch nicht möglich. Die Orte hier haben, eine Straße und eine Häuserreihe - und eine Bahnlinie. In Sankt Goar verläuft sie aber oberhalb durch Tunnel.
So und jetzt bin ich in meinem Zimmer in Sankt Goar, schaue aus dem Fenster und komme immer noch nicht los von der "Geschichte", Eins noch, ok?
Also da oben ist die Burg "Katz" - korrekterweise müsste ich sagen: Neu-Katzenelnbogen. Erbaut vom Geschlecht dero von Katzenelnbogen, in unmittelbarer Nähe zur Burg Maus, die zu Trier gehört hat. - ich schwör, ich habe noch nichts getrunken!!!
Das Geschlecht dero von Katzenelnbogen (ich liebe diesen Namen!) starb aus und in der Folge von Erbstreitigkeiten, hat man das Erbe z.T. zerstört, um die Story abzukürzen. Napoleon hat den Rest gesprengt. Nix mehr da.
1816 kauft ein Landrat den Rest auf und ließ die Ruine wieder aufbauen. - Das heißt - e i n e Burg bauen. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr, dass einfach ein bewohnbares Privatschlösschen um den noch stehenden Bergfried herum gebaut worden ist. Hinter den possierlichen Türmen dreut der gewaltige Turm.
Später war die Burg Katz ein Schulungslager für den Reichsarbeitsdienst und nach dem Krieg ein Internat.
Soviel zum romantischen Anblick mittelrheinischer Burgen.

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